Post-Chef Georg Pölzl ließ gestern bei der Präsentation der Halbjahreszahlen aufhorchen: Man werde ein neues Kooperationsmodell mit der Bawag "in den nächsten drei Jahren intensiv diskutieren", berichtet der Kurier.

Ob auch konkret über ein "Aus" gesprochen wird, wollte ein Post-Sprecher gegenüber FONDS professionell ONLINE nicht sagen. Zum aktuellen Stand gebe es keine Informationen, aber man werde eine langjährige Zusammenarbeit nicht so einfach auflassen, so der Sprecher: "Wir streben an, die Kooperation weiterzuführen. Es war für beide eine Win-Win-Situation. Man wird darüber reden, wie man das Modell an das geänderte Kundenverhalten durch die Digitalisierung anpasst". Vielleicht werde man im Herbst bei der nächsten Zahlenpräsentation schon etwas mehr wissen.

Digitalstrategie der Bawag als Knackpunkt
Die Bawag PSK hatte vor einigen Monaten das geänderte Kundenverhalten gegenüber FONDS professionell ONLINE in Zahlen gegossen: "Mehr als 80 Prozent aller Transaktionen werden inzwischen online oder an Selbstbedienungsgeräten abgewickelt. 2016 ist im Vergleich zu 2015 der Anteil der Online-Zahlungstransaktionen um zehn Prozent und der Anteil der über Mobile-Apps getätigten Transaktionen um 49 Prozent gestiegen. Demgegenüber war im gleichen Zeitraum der Anteil der Schaltertransaktionen um elf Prozent rückläufig", erklärte eine Sprecherin. Veranlagungs- und Sparprodukte sowie Konsumkredite können mittlerweile genau so gut online abgeschlossen werden. Diesem Digitalisierungstrend wolle man Rechnung tragen.

Es gebe Zusammenlegungen von Filialen. An den verbleibenden Standorten soll dafür ein besseres Service angeboten werden, so die Sprecherin damals. Eine zeitnahe Stellungnahme zur Post-Kooperation ist heute nicht eingetroffen. Die Bawag PSK steht derzeit außerdem vor großen Veränderungen. Im Herbst soll angeblich ein Börsegang anstehen.

Vertrag läuft bis 2020
Der Kooperationsvertrag mit der Bawag wurde 2015 verlängert und läuft noch bis 2020. Die Post erhält, so der Sprecher, ungefähr 50 Millionen Euro jährlich. Als die Zusammenarbeit 2010/2011 startete, waren es laut Kurier noch rund 80 Millionen gewesen.

Bereits zu Jahresbeginn war Unzufriedenheit der Post mit der Bawag-Zusammenarbeit öffentlich geworden: Die Bawag schloss Standorte und erfüllt die vereinbarte Zahl von 434 Filialen nicht. Die Leistungen wurden drastisch eingekürzt. In gut einem Drittel der Außenstellen ist überhaupt kein fixer Berater mehr anwesend, dort reduziert sich das Leistungsspektrum auf Basisleistungen wie Ein- oder Auszahlungen oder Sparbucheröffnungen.

Sollte es zu einem "Aus" der Kooperation kommen, will die Post keine eigene Banklizenz anstreben, wie es heißt. (eml)