Die Wienwert AG, die gerade turbulente Zeiten durchmacht, wird zukünftig alle ihre Immobilienprojekte ausschließlich gemeinsam mit einem staatlichen Pensionsfonds finanzieren, der als Syndikatspartner bei dem österreichischen Immo-Entwickler eingestiegen ist. Beide Partner werden jeweils 50 Prozent an den jeweiligen Immobilienprojektgesellschaften halten, teilt Wienwert am Sonntag in einer Aussendung mit.

Darüber hinaus macht das Unternehmen ein Geheimnis. Der Partner wolle seinen Namen nicht bekanntgeben, sagte Wienwert-Chef Stefan Gruze laut einem Bericht in der Tageszeitung Standard. Der Fonds verwalte über eine Milliarde Euro und wachse stark. Die ersten gemeinsamen Grundstückskäufe im Wert von 22 Millionen Euro sollen noch diese Woche erfolgen. Gruze war am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

FMA fordert Rechtfertigung
Im Clinch steht Wienwert mit der Finanzmarktaufsicht FMA. Wienwert bekam von der Behörde jüngst eine Aufforderung, sich wegen des Anleihenprogramms zu rechtfertigen. Eine heuer begebene Anleihe, die bis 2020 läuft, ist mit hohen 5,25 Prozent verzinst. Bei versierten Anlegern schrillen angesichts eines so hohen Kupons bei nur drei Jahren Laufzeit ohnehin die Alarmglocken. Die FMA moniert, dass Wienwert in der Werbung "hervorragende Bilanzkennzahlen" – etwa 4,7 Millionen Euro Eigenkapital und 96 Prozent Eigenkapitalquote – anführt. Dass die Muttergesellschaft, die Wienwert Holding, hingegen erneut ein hohes negatives Eigenkapital ausweist und sich in einer kritischen Situation befindet, erschließt sich den Anlegern auf den ersten Blick nicht, sagt die Behörde. Auch andere Werbeeffekte wie ein suggeriertes Naheverhältnis zur Stadt Wien kritisiert die FMA.

Bei Wienwert wird derzeit umstrukturiert: Aus der vorherigen, ins Schleudern geratenen Wienwert AG wurde die Wienwert Holding AG. In dieser ist das negative Eigenkapital mitsamt der Anleihengläubiger verblieben. Die neue Wienwert AG ist nunmehr eine Tochter der Holding. Sie zeichnet für das Neubaugeschäft verantwortlich und soll die Gewinne erwirtschaften, mit denen die Anleihen bedient werden können.

Wienwert Holding hält 99,9 Prozent
Der nun unterzeichnete Syndikatsvertrag wurde laut Aussendung mit der Tochter Wienwert AG geschlossen. Gemäß Homepage besteht das Stammkapital der Wienwert AG aus 5.000.000 Aktien, diese stehen im Besitz von vier Aktionären: Die WW Holding AG hält 4.999.997 Stück und somit 99,99 Prozent der Aktien an der Wienwert AG. Jeweils eine einzelne Aktie der Wienwert AG, die jedoch mit besonderen Zustimmungs-, Widerspruchs- und Vetorechten ausgestattet sind, halten der CEO Stefan Gruze, sowie die beiden Wienwert-Gründer Nikos Bakir und Wolfgang Sedelmayer.  (eml)