Es war eine typische Zeit für Wienwert, die ihre Meldungen immer dann ausschickt, wenn die Redaktionsstuben nur spärlich besetzt sind: Am Donnerstag kurz nach Mitternacht teilte das Unternehmen mit, dass die Wienwert Holding AG (WW Holding) zahlungsunfähig und insolvenzrechtlich überschuldet ist. WW Holding AG konnte eine am 20.12.2017 fällige Unternehmensanleihe (ISIN AT0000A0S9H0) nicht bedienen.

Die WW Holding AG hält 99,99 Prozent der Aktien an der Wienwert AG. Die Holding strebt nun ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung an. Im Zuge dessen soll die Tochter Wienwert AG verkauft werden. Die Holding habe einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens vorbereitet und werde diesen so rasch wie möglich beim zuständigen Insolvenzgericht, dem Handelsgericht Wien, einbringen. Die Anleihezeichner müssen um bis zu 58 Millionen Euro bangen, wird in Medien berichtet.

Hohe Überschuldung seit langem
Wienwert selbst begründet die Insolvenz damit, dass es einen Vertrauensverlust am Markt gab, weil Ermittlungen der Staatsanwaltschaft publik gemacht worden seien. Hintergrund sei das "öffentlichkeitswirksame Bekanntwerden eines Ermittlungsverfahrens der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) vom 25.11.2017", heißt es. "Wienwert AG ist seit den darauffolgenden Medienberichten nicht mehr in der Lage gewesen, eine zu diesem Zeitpunkt in Emission befindliche Unternehmensanleihe erfolgreich am Kapitalmarkt zu platzieren, wobei eine kurz zuvor emittierte Unternehmensanleihe sogar noch überzeichnet gewesen ist", ist in der Aussendung zu lesen.

Besonnene Anleger hatten Wienwert vielmehr schon lange kritisch beäugt: So hatte die Holding ihr negatives Eigenkapital 2016 ausgebaut. Bei einem Bilanzverlust von rund 29 Millionen Euro wurde ein Umsatz von rund drei Millionen Euro gemacht. Der Abschlussprüfer hatte im Vorjahr bereits festgestellt, dass der Fortbestand der Holding mit Unsicherheiten behaftet sei. Plan war es, dass die Tochter Wienwert AG die Gewinne erwirtschaften sollte, mit denen die alten Anleihen der Holding bedient werden hätten sollen.

Die besagten Ermittlungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft betreffen die Ex-Vorstände und Aufsichtsräte. Es geht um den Verdacht der Untreue und der Vollstreckungsvereitelung zugunsten eines anderen. Die Vorwürfe werden von den Managern bestritten. Dabei geht es um den Verkauf der Markenrechte der Firmengründer an die Wienwert Holding im März 2016 um 3,12 Millionen Euro und um die spätere Übertragung der Marke an die Wienwert AG. (eml)