Da hat Wienwert-CEO Stefan Gruze etwas groß aufgetragen: Die Wienwert AG, deren Mutter seit längerem negatives Eigenkapital ausweist, habe sich einen "staatlichen Pensionsfonds aus der EU" als Syndikatspartner geholt. Der Fonds, dessen Name verborgen blieb, verwalte ein Vermögen von über einer Milliarde Euro, hieß es vor einigen Tagen.

Nun recherchierte die Tageszeitung Der Standard, dass es sich nicht um irgendeinen Staatsfonds handelt, sondern um die Österreichische Bundespensionskasse AG (BPK). Laut Homepage verwaltet diese per Ende Dezember 2016 ein Vermögen von 789 Millionen Euro. Die Kasse, die der Republik Österreich gehört, betreut Zusatzpensionen von Bundesbediensteten und Mitarbeitern bundesnaher Unternehmen sowie von Landeslehrern. Der Veranlagungserfolg der vergangenen 15 Jahre liegt bei 3,63 Prozent per annum.

Wienwert hatte verkündet, zukünftig "alle Immobilienprojekte ausschließlich gemeinsam mit diesem staatlichen Pensionsfonds zu finanzieren". Bekannt war, dass beide Syndikatsmitglieder je 50 Prozent an den jeweiligen Immobilienprojektgesellschaften halten und erste Objekte gekauft wurden.

Fonds "Wohnen Plus"
Die BPK, die seit ihrem Bestehen noch nie Anlass für eine Pressemitteilung hatte, ist nun um Beschwichtigung bemüht. Hinter dem Syndikatsvertrag stehe nicht die BPK direkt, sondern die Entscheidung eines externen Fondsmanagers im Luxemburger Immobilienfonds Wohnen Plus – Dessen einziger Anleger ist freilich die Bundespensionskasse, wie deren Sprecher Alexander Hornich erklärt. Dieser Fonds besitze in Wien zwei Immobilien zu jeweils 50 Prozent. Die andere Hälfte hält die Wienwert AG.

Der Fonds ist also bei Projekten der geldbedürftigen Wienwert eingestiegen. "Es gibt keine Beteiligung an Wienwert selbst. Wir haben keine Pensionsgelder in die Wienwert AG oder in die Wienwert Holding eingebracht. Auch besitzt die Bundespensionskasse in ihrer Veranlagung keine Wienwert-Anleihen und es gibt keine sonstigen Finanzierungen unsererseits von Wienwert", sagt Hornich zu FONDS professionell ONLINE.

Für Wienwert könne es stimmen, dass der Fonds der exklusive Partner ist, aber der Fonds selbst investiere in mehreren deutschen und österreichischen Großstädten: "Keiner unserer Immobilienfonds ist an ein einzelnes Immobilienunternehmen exklusiv gebunden, und es gibt keine Vereinbarung mit Dritten, irgendeine Anzahl von Immobilien zu erwerben. Auch in Wien investieren wir nicht exklusiv mit Wienwert. Unsere Fonds können sich die Unternehmen aussuchen", so Hornich. Die Bundespensionskasse investiere in Immobilien grundsätzlich nur indirekt über Immobilienfonds, die von externen Fondsmanagern verwaltet werden.

Vertrag für den Pleitefall
Welche Konsequenzen würde die BPK tragen, würde Wienwert Pleite gehen? Es gebe "entsprechende vertragliche Vereinbarungen, die garantieren, dass der wirtschaftliche Erfolg unabhängig davon gesichert ist", so Hornich. Typischerweise könnten hinter so einer Formulierung etwa Vorkaufsrechte stehen. In welchem Ausmaß eine Pleite tatsächlich abgesichert ist, bleibt damit dahingestellt.

Von den Grundstücken, die von Wienwert aktuell angekauft wurden, habe eines keine Wohnbauwidmung, schreibt der Standard. Wienwert-Chef Gruze gehe aber fix von einer Umwidmung aus, so die Zeitung. Auch den Fortbestand der Holding sehe Gruze positiv.

Wienwert wird kritisch von der Finanzmarktaufsicht FMA beäugt. Die stößt sich daran, dass das Unternehmen, das mit hohen Zinsversprechungen wirbt, in Anleihenprospekten seine Situation zu schön darstelle und dem Anleger nicht genug dargelegt werde, dass er das Risiko der Mutter Wienwert Holding AG mitkauft. Diese musste ihre Prognosen für ein neuerliches negatives Eigenkapital für die Rechnungsperiode 2016 unlängst nach oben schrauben auf ein Minus von über 27 Millionen Euro. Die tatsächliche Bilanz für 2016 wird bis Ende August erwartet.

FMA-Verwaltungsstrafe bis zu 100.000 Euro droht
Pikant ist, dass die BPK im Ressort des Finanzministers als Vertreter der Republik angesiedelt ist. Dem Finanzminister (ÖVP) wird keine große Innigkeit mit der FMA nachgesagt. Nun geht die Pensionskasse ausgerechnet mit der Wienwert einen Deal ein. Wienwert droht wegen der Anleihengeschichte eine Verwaltungsstrafe von bis zu 100.000 Euro, wie FMA-Sprecher Klaus Grubelnik sagte. Das Verfahren sei im Laufen.

BPK-Sprecher Hornich weist indes sämtliche Zusammenhänge von der Hand. "Der Name Wienwert ist im Prinzip für uns austauschbar. Da könnte auch ein anderer Name stehen, wenn der externe Fondsmanager nach eingehender Prüfung ein Investment als geeignet betrachtet", sagte er.

Die FMA ist auch für die Überwachung der Pensionskassen zuständig. Der Deal BPK-Wienwert habe für die Behörde keine Relevanz, nachdem die BPK ausdrücklich dargelegt habe, dass es keine direkten Investitionen in Wienwert gibt, so Grubelnik.

Neue muss Gewinne erwirtschaften
Wienwert hat soeben umstrukturiert: Aus der vorherigen, ins Schleudern geratenen Wienwert AG wurde die Wienwert Holding AG. In dieser ist das negative Eigenkapital mitsamt der Anleihengläubiger verblieben.

Die neue Wienwert AG ist nunmehr eine Tochter der Holding. Von ihrem Erfolg hängt viel ab. Sie zeichnet für das Neubaugeschäft verantwortlich und soll die Gewinne erwirtschaften, mit denen die Anleihen bedient werden können. (eml)