Die Wienwert AG, operative Einheit und einzige werthaltige Tochter der WW Holding AG, geht in die Insolvenz. Der Insolvenzantrag werde so rasch wie möglich beim Handelsgericht Wien eingebracht, teilte das Unternehmen Montag Abend mit.

Damit folgt das Unternehmen dem Schicksal seiner Mutter: Bereits im Februar hatte die WW Holding AG zuerst ein Sanierungsverfahren eingeleitet, das aber kurz darauf platzte und in ein Konkursverfahren umgewandelt wurde. Die Gesellschaft wird abgewickelt. Ihre 99,99-Prozent-Tochter Wienwert AG hätte verkauft werden sollen. Eine bereits einmal verlängerte Frist ist nun aber am Montag verstrichen. Bei der Gläubigerausschusssitzung gab es kein Angebot.

Einmal mehr werden damit Gläubiger um Millionen umfallen. Die Wienwert AG hat 2017 zwei Anleihen (AT0000A1W4Q5, AT0000A1YG24) im Umfang von je fünf Millionen Euro emittiert. Der Zinssatz lag bei 5,25 Prozent für vier Jahre.

Kein Interesse an schwieriger Vergangenheit
Vorstand Stefan Gruze sagte, alle namhaften österreichischen Immobiliengesellschaften hätten sich interessiert. Gruze spricht von 50 Interessenten, darunter rund 15 ernsthafte. "Es hat sich niemand über den Rucksack der Vergangenheit drübergetraut", so Gruze zur APA. Die Angst potenzieller Käufer sei, dass sich Anleihegläubiger der Holding an der Wienwert AG schadlos halten könnten.

Wienwert AG und Holding liefern denn auch ein Paket an juristischen Problemen mit, das unter Investoren keinesfalls als Hingucker gilt: So gibt es zum Beispiel Ermittlungen zu Ungereimtheiten im Zusammenhang mit der Übertragung der Marke Wienwert von der Holding an die AG. Ermittlungen der WKStA wegen des Verdachts auf Untreue und Bilanzfälschung gegen Manager von Holding und Tochter, die seit November laufen, wurden zuletzt ausgedehnt. "Die Presse" berichtet von einer Anzeige wegen Gläubigerschädigung durch illegale Geldabflüsse rund um den Verkauf einer Immobilie am Wiener Getreidemarkt. Chef Gruze liegt außerdem im Streit mit den zwei Gründern von Wienwert, denen das Unternehmen private Darlehen gewährt haben soll.

Bieterverfahren für Immobilienprojekte im Syndikat
Die drei Immobilienprojekte (Angerer Straße 2-6, Ödenburger Straße 16 und Wiedner Hauptstraße 150), die die Wienwert AG gemeinsam mit dem Luxemburger Fonds Wohnen Plus entwickeln wollte, gehören nun zu 100 Prozent dem Fonds. Hinter Wohnen Plus steht als Eigentümer und einziger Investor die österreichische Bundespensionskasse. Die BPK hatte mit Wienwert im Vorjahr einen Syndikatsvertrag geschlossen. Gemäß diesem sei ein öffentliches Bieterverfahren für diese Objekte vorgesehen, heißt es in einer Aussendung.

Bei den Gläubigern der Wienwert Holding sinken mit der Insolvenz der Tochter die Chancen, Geld wieder zu sehen. 900 Anleihen-Anleger müssen um knapp 35 Millionen Euro bangen. Die Tochter ist das einzige werthaltige Asset. Bis jetzt konnte noch nicht in Erfahrung gebracht werden, ob die Verfahren von WW Holding und AG zusammengelegt werden.

Kuratoren nicht unbedingt erwünscht
Jedenfalls hat sich bei den Gläubigern der Holding großer Unmut breit gemacht. Das Insolvenzgericht (HG Wien) hat Georg Freimüller und Susi Pariasek als Kuratoren bestellt. "Zur Vertretung der Rechte der Inhaber", wie es heißt. Doch die Anwälte der Gläubiger sehen das anders. Ein Kurator habe eine "gefährliche Konsequenz", so Anwalt Wolfgang Haslinger.

Die selbständige Geltendmachung von Anleger-Rechten durch einzelne Anleiheninhaber soll oder könnte ausgeschlossen sein. Schadenersatzansprüche gegen mutmaßliche Schädiger im Zusammenhang mit der Wienwert-Pleite (Prospektprüfer, Treuhänder, Geschäftsführer,..) könnten von Betroffenen nicht mehr individuell – durch einen rechtsanwaltlichen Vertreter ihres Vertrauens – geltend gemacht werden. Kuratoren würden (schon aufgrund Ihres gerichtlichen Auftrages) die individuellen Ansprüche der Anleger nicht bzw. nicht ausreichend wahrnehmen.

"Die Kurator-Bestellung fußt auf einem nicht mehr zeitgemäßen k. u. k.-Monarchie-Gesetz, das ausschließlich dem (antiquarischen) obrigkeitsorientierten Fürsorgegedanken des 19.Jh. Rechnung trägt, aber für das moderne Anlegerrecht und dessen modernen Schutznormen wie das Kapitalmarktgesetz (KMG) nicht geeignet ist. Zu Recht wird und wurde dieses Gesetz von vielen Rechtsexperten – wegen der Verletzung des Eigentumsrechtes – als europarechts- und verfassungswidrig beurteilt", so Haslinger.

Das HG Wien hat nun für Mittwoch eine Versammlung einberufen, in der die Anleiheinhaber angehört und Vertrauensleute gewählt werden sollen. (eml)