Unter dem Eindruck der Finanzkrise haben die hochstrebenden Banktürme an der Wall Street oder im Frankfurter Finanzzentrum ihre Anziehungskraft unter Nachwuchs-Bankern eingebüßt. Ein Finanzinstitut, das heute um die besten Köpfe wirbt, übersiedelt auf einen Campus. So machte es vor Jahren schon die große Erste Group, und so macht es die Unicredit Bank Austria, die ihre neue Zentrale vergangenen Freitag offiziell einweihte.

Rund 5.300 Mitarbeiter, die bisher an zwölf Standorten arbeiteten, sind an das Gelände des ehemaligen Nordbahnhofs in Wien umgezogen. Dort stehen auf 85 Hektar Fläche zwei Gebäude mit 60.000 Quadratmetern Bürofläche. Auf dem "Austria Campus“ vereint die italienische Unicredit ihre Tochter Unicredit Bank Austria so wie insgesamt 16 UniCredit Konzerngesellschaften und die in Wien ansässigen Unicredit CEE-Einheiten.

Die Osteuropa-Sparte wurde ja 2016 von der Bank Austria abgespalten und ging zum Geschäft der italienischen Mutter über. Gianni Franco Papa, General Manager der Unicredit, sagte laut Medienberichten bei der Einweihung, Wien sei Hub für Österreich und Osteuropa. Die Beschäftigten der Osteuropa-Abteilung würden nicht abgesiedelt.

Universitär, elitär und egalitär
Wie bereits auf dem Campus der Erste Group, gibt es auch bei der Unicredit Bank Austria eine offene Bürolandschaft, in der man nicht mehr zwingend auf einem fixen Arbeitsplatz sitzt. "Smart Working" ist das Schlagwort; man soll von überall aus arbeiten können, egal ob im Büro, von zu Hause aus oder von unterwegs. Es knüpft an den Lebensstil der Digital Natives an, die die Bank wohl mit diesem Konzept am besten gleich von der Uni weg anlocken will.  

Campus klingt universitär, wie ein Zurück zum Ursprung oder zumindest in eine Zeit, bevor die Verfehlungen der Bankenwelt die Finanzbranche in ein Desaster stürzten. Es klingt elitär und gleichzeitig egalitär – auf dem Campus wird schließlich auf einer Ebene gearbeitet, nicht wie im Tower von oben nach unten regiert. In den Statements rund um die Eröffnung klang genau das auch an. Robert Zadrazil, Vorstandsvorsitzender der Unicredit Bank Austria, betont in einer Aussendung, seine Bank wolle sich durch die neue Arbeitsorganisation als moderner Arbeitgeber positionieren. Und Unicredit General Manager Papa, will sichtlich die oft getroffene Zuschreibung korrigieren, wonach Banken einfach zu abgehoben und komplex agieren: "Unicredit ist eine einfache, erfolgreiche paneuropäische Geschäftsbank, in der alle Geschäftsbereiche nahtlos zusammenarbeiten, um die Anforderungen unserer Kunden bestmöglich zu erfüllen", so Papa anlässlich der Einweihung.

Neues Online-Banking
Gleichzeitig hat die Bank Austria vor einigen Tagen ihr neues Online-Banking vorgestellt. "24You" hat die Funktionen, die man andernorts auch schon kennt, wie einen "Finance Manager" oder einer Chat- und Call-Back-Funktion. Die Bank reklamiert außerdem für sich, als erste heimische Bank einen digitalen Sprachassistenten anzubieten. Alexa Skill wird allerdings vorerst nur Antworten auf nicht personalisierte Fragen geben, die man so oder so ähnlich vermutlich von "Alexa" auch allgemein bekommt: Etwa "Alexa, frag' Bank Austria, wie sind die Öffnungszeiten der Filiale am Hof" Oder "Frag' Bank Austria, viel sind 1.000 Euro in Dollar". Interessanter ist vielleicht für Kunden, dass der Wertpapierbereich neu aufgestellt wurde und nun nutzerfreundlicher sein soll. (eml)