Ray Dalio, Gründer des Hedgefonds Bridgewater Associates, hat ein Buch über seine Management-Methoden veröffentlicht. Die skurrilste manifestiert sich auf den sogenannten "Baseballkarten" – genauer gesagt: auf nicht weniger als 1.700 davon, die Dalio auf seinem persönlichen Computer hortet. Die zeigen allerdings keine Spitzensportler, sondern die Gesichter seiner Mitarbeiter.

Die Karten sind kurzgefasste Arbeitszeugnisse, die, täglich aktualisiert, alle Stärken jedes Beschäftigten aufführen – und jede Schwäche. Vor allem aber beantworten sie die Frage, die für den Hedgefonds-Gründer essentiell ist: Hat der Angestellte jene gut 200 "Prinzipien" der "radikalen Wahrheit und Transparenz“ verinnerlicht, die bei Bridgewater praktisch Gesetzeskraft haben?

Seit 1975 führt Dalio seine Firma, die für Konzerne, Pensionsfonds, Stiftungen und sogar Zentralbanken Geld anlegt – insgesamt 160 Milliarden US-Dollar. Der heute 68-Jährige tut das so erfolgreich, dass ihn mittlerweile Generationen von Nachwuchsbankern als Halbgott verehren. "Seine seltsamen Managementmethoden lassen ihn nur noch übermenschlicher erscheinen", schreibt die "Süddeutsche Zeitung" in einem Kurzporträt des Managers anlässlich der Buchveröffentlichung. 

Lob von Gates und Dimon
Schon als junger Unternehmer hielt Dalio Beobachtungen aus dem Geschäftsleben in einem Notizbuch fest. Schon bald folgten Überlegungen, was diese Beobachtungen für die Führung von Mitarbeitern bedeuten. Es war die Geburtsstunde seiner gut 200 "Prinzipien", die im Kern besagen: Nur, wer jede Entscheidung ständig hinterfragt, wer die eigenen Schwächen wie die der Kollegen schonungslos benennt und daraus lernt, kann maximalen geschäftlichen Erfolg haben. In Dalios Buch stehen Weisheiten wie "Niemand hat das Recht, eine kritische Meinung für sich zu behalten", oder "Konflikte sind essenziell für gute Beziehungen".

Große Namen der Wirtschaft haben Dalios Buch bereits gelobt, namentlich Microsoft-Gründer Bill Gates und JP-Morgan-Chef Jamie Dimon. "Doch Zweifel bleiben, ob sich die Idee totaler Transparenz auf das Leben übertragen lässt, das doch oft erst durch kleine Geheimnisse und unlogische Entscheidungen lebenswert wird", schreibt die "SZ". Die Frage, ob Dalio wegen oder trotz seiner Methoden Erfolg hat, ist übrigens nicht final geklärt. Matt Levine, Kolumnist beim Meinungsportal Bloomberg View, fügte seiner Rezension scherzhaft hinzu: "Wahrscheinlich ist es bei Bridgewater der Computer, der die Investitionsentscheidungen trifft. Und damit ihn die menschlichen Angestellten nicht stören, lenkt Dalio sie einfach mit den Dauer-Bewertungsspielchen ab.“ (fp/ps)