Die Vermögensverwaltungsbranche kann sich nicht länger gegen Veränderungen abschirmen. Anleger erwarten heute Transparenz und wettbewerbsfähige Preise, keine Blackbox. Ein deutliches Indiz dafür sind die Vermögensumschichtungen im vergangenen Jahr, weg von aktiv verwalteten Fonds, hin zu günstigen Indexprodukten.

Vermögensverwalter, die sich Erfahrungen aus anderen Branchen zu Herzen nehmen, können diesen Wandel meistern und sogar davon profitieren, schreiben Ernst Mohr und Robert Ruttmann vom Institut für Customer Insight der Universität St. Gallen in der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ).

Der Einzelhandel meche vor, wie Online-Plattformen Transparenz und Service befördern – zum Beispiel Amazon. In der Vermögensverwaltung zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab. Stichwort Robo-Berater: Automatisierte Vermögensverwaltungsangebote sorgen für steigende Transparenz und sinkende Kosten. "Traditionelle Vermögensprofis müssen darauf reagieren und Kunden über mehr Kanäle, in einem schnelleren Tempo und zu niedrigeren Kosten bedienen. Dann können sie Mehrgeschäft generieren", präzisieren die beiden Autoren.

Niedrigpreise sind nicht alles
Von der Reisebranche können Vermögensverwalter lernen, dass sich guter Service durchsetzt. Nur wenige Reisebüros haben den Aufstieg von Internet-Buchungsplattformen wie Expedia überlebt. "Wer es geschafft hat, bietet einen Mehrwert, der über einen reinen Preisvorteil hinausgeht", so Mohr und Ruttmann. Voraussetzung für einen maßgeschneiderten Service sei allerdings, dass Finanzprofis die Bedürfnisse ihrer Kunden tatsächlich kennen und verstehen – wie es etwa Netflix tut, das Kundenwünsche gezielt auswertet.

Eine weitere Lehre ist, dass traditionelle Wertschöpfungsketten aufgebrochen werden. Das zeige sich etwa an dem Fahrdienst Uber. In der Finanzbranche gebe es ähnliche Beispiele. So revolutionieren Apple Pay und Samsung Pay die Zahlungsabwicklung.

Der Wettbewerb zwischen Vermögensverwaltern dürfte über kurz oder lang zum Wettbewerb zwischen branchenfremden Konkurrenten werden. "Etablierte Vermögensprofis müssen deshalb selbst zu integrierten und digitalen Playern werden, zum Beispiel durch Partnerschaften mit Technologieunternehmen", fordern die Autoren.

Keine Atempause
Die fünfte Erkenntnis, die Vermögensverwalter aus dem Wandel in anderen Branchen ziehen können, ist, dass sie trotz des Strukturwandels ihr Geschäft nahtlos weiterbetreiben müssen. Wer das nicht schafft, verpasst neue Chancen.

Ein Beispiel dafür sei der Kamera- und Filmproduzent Kodak, der sich während des Siegeszugs der Digitalkamera allein darauf konzentrierte, seine Kosten zu senken. Kodak ging schließlich pleite. "Die Digitalisierung dürfte auch die Vermögensverwaltung umkrempeln. Die Beispiele aus anderen Branchen zeigen, dass das nicht für alle etwas Schlechtes sein muss", lautet das durchaus zukunftsfrohe Fazit. (fp)