Das amerikanische Ideal lebt auch im Asset Management: Jeder kann es an die Spitze schaffen, er muss nur gut genug sein. Nach diesem Motto streben viele junge Analysten eine Rolle als Portfoliomanager an. Doch tatsächlich scheint dieses Ideal nur ein Trugbild zu sein. Denn in Wahrheit hängen die Trauben beimTraumjob Portfoliomanager extrem hoch. Vor besonders hohen Hindernissen stehen aber offenbar Aspiranten, die nicht eines dieser beiden Merkmale aufweisen: männlich und weiß.

Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls eine Studie des Londoner Think Tanks New Financial. Die Researcher führten mit 100 Mitarbeitern von rund 40 Fondsgesellschaften teils intime Interviews. Zudem werteten die Analysten die Ergebnisse anderer Studien aus. Demnach werden nur vier Prozent des in Großbritannien verwalteten Vermögens ausschließlich von Frauen gelenkt, 85 Prozent hingegen allein von Männern. Der Anteil dunkelhäutiger Fondsmanager ist mit einem Prozent ebenfalls verschwindend gering.

"Als Frau musst Du permanent perfekt sein"
"Die Leistung alleine zählt nicht", berichtet einer der befragten Profis. "Als Frau musst Du permanent perfekt arbeiten. Deine Stellung steigt und fällt mit deinen Ergebnissen am Quartalsende. Als männlicher Fondsmanager kannst Du hingegen mit Nachsicht rechnen." Die Studie von New Financial wurde von Allianz Global Investors und Hermes Investment Management unterstützt.

Die Autoren der Auswertung weisen zudem auf Studien hin die zeigen, dass gemischte, von Frauen oder Teams mit vielen Mitgliedern aus unterschiedlichen Kulturkreisen besonders gute Anlageergebnisse abliefern. Vor diesem Hintergrund sollten Asset Manager ihre Einstellungskriterien ändern und ein breiteres Spektrum an Kandidaten in Betracht ziehen. Zudem sollten familienfreundliche Arbeitsmodelle  eingeführt werden. (ert)