Die deutsche Wirtschaft läuft seit Jahren auf Hochtouren, doch heimische Banken haben wenig davon. Vor allem im Retailbanking-Bereich sieht es düster aus. Zu diesem niederschmetternden Resultat kommt eine aktuelle Branchenschau der auf Banken und Versicherer spezialisierten Strategieberatung zeb. Ihr Tenor: Die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben im Privatkundengeschäft klafft bei vielen Instituten immer weiter auseinander.

Seit Jahren lassen Bankvorstände nichts unversucht, um die steigenden Kostenbelastungen aus ungünstigem Zinsumfeld, Digitalisierung und Regulierung zu kompensieren und ihre Häuser profitabel zu halten, doch genützt hat es bisher wenig. Die harten Zahlen machen die Misere deutlich: Beliefen sich die branchenweiten Erträge aus dem Retailsektor zu Beginn der Dekade noch auf fast 55 Milliarden Euro, waren es Ende 2017 nur noch 50,1 Milliarden Euro. "Dies ist ganz wesentlich das Ergebnis eines Verlustes von circa der Hälfte der Einlagenerträge, die 2010 noch rund ein Viertel oder 14,6 Milliarden Euro der Gesamterträge ausmachten", heißt es dazu erklärend im Studientext. Besserung ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Die negative Entwicklung droht sich bis ins Jahr 2022 fortzusetzen. Bis dahin erwarten die zeb-Experten ein Absinken des Ertragspotenzials mit Privatkunden in Deutschland auf dann 45,6 Milliarden Euro.  

Kostentrend zeigt weiter nach oben
Gleichzeitig steigen durch die wieder anziehende Inflation die Kosten der Banken. Die zeb-Berater warnen: Ohne fundamentale Transformationen im Geschäftsmodell sieht die Retailzukunft vieler Institute düster aus.

Auch dazu gibt es harte Daten: Im Jahr 2011 standen fast 57 Milliarden Euro an Privatkunden-Erträgen rund 48 Milliarden Euro an Kosten gegenüber, was einer Aufwand-Ertrags-Relation von rund 84 entsprach. Heißt konkret: Banken mussten im Privatkundengeschäft durchschnittlich 84 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen. Diese aussagefähige Kenngröße hat sich seither massiv verschlechtert: Im vergangenen Jahr lag das Verhältnis von Kosten und Einnahmen bereits bei 92 Prozent.

Die Hoffnung stirbt zuletzt
Und es kommt noch schlimmer: Insbesondere das Privatkundengeschäft wird für die Banken zum Geldgrab. Dort müssten geschätzt 16 Prozent weniger Kosten anfallen, damit die Institute auch morgen noch rentabel arbeiten können, schätzt zeb-Berater Ulrich Hoyer. Wie viele Arbeitsplätze dafür wegfallen müssten, mag er nicht sagen.

Fest steht für ihn jedoch, dass Verluste drohen, wenn die Wende nicht bald gelingt: "Ohne Gegenmaßnahmen dürfte das Ergebnis im deutschen Privatkundengeschäft in den nächsten fünf Jahren auf dann fast minus sechs Milliarden Euro sinken." Sein Fazit: Wenn sich nicht rasch etwas ändert, werden die deutschen Banken das Privatkundengeschäft auf absehbare Zeit nicht profitabel betreiben können. "Wenn man die Ergebnislücke in einer Planung und Agenda für die nächsten Jahre nicht durch Hoffnung auf Besserung des Zinsumfelds schließen möchte, bleibt nur ein beherzter Umbau des Geschäftssystems", mahnt Hoyer.

Banken müssen digitaler werden
Zusammenschlüsse können die Probleme nicht lösen. "Um Kosten zu senken, haben Fusionen nicht die oberste Priorität", sagt Hoyer. Kreditinstitute müssen andere Schwerpunkte setzen, um langfristig am Markt zu bestehen.

Marktforschungsanalysen zeigen, dass mehr als die Hälfte der heutigen Branchenerträge in den kommenden fünf Jahren neu verteilt werden – auf digitale Kaufprozesse. Banken, die im Geschäft bleiben wollen, müssen also die Digitalisierung intern noch deutlich kräftiger vorantreiben als bisher. Oder anders ausgedrückt: "Wer hier kein adäquates Angebot vorlegen kann, dem droht mittelfristig der Verlust existenzsichernder Wettbewerbsfähigkeit", ergänzt Hoyers zeb-Kollege Marc Buermeyer. (fp/ps)