Der Vermögensverwalter State Street Global Advisors prangert die systematische Missachtung von grundlegenden Aktionärsrechten durch Technologiekonzerne wie Facebook, der Google-Holding Alphabet oder Snap an. So hatte der Snap-Konzern, der hinter dem Bild- und Videodienst Snapchat steht, bei seinem Börsengang im Februar stimmrechtslose Aktien ausgegeben. Dies ist in den USA unüblich und stieß auf Kritik. Auch Alphabet und Facebook hatten diese Aktiengattung eingeführt.  

"Wir Aktionäre wählen Verwaltungsräte, damit diese ein Unternehmen kontrollieren. Wenn wir keine Aufseher ernennen können und das Unternehmen eine falsche Richtung einschlägt, stehen wir praktisch ohne Rechte da", argumentiert Rakhi Kumar, Leiterin des Bereichs gute Unternehmensführung bei State Street, in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung "Financial Times". "Wir dürfen nicht aufhören, gegen solche Aktionärsstrukturen vorzugehen, da sie nicht in unserem Interesse als Eigner sind." Sie hatte auch die US-Regulierung aufgefordert, diese Praxis klar zu kritisieren.

Nur die übelsten Ausreißer im Blick
Kumar räumt aber ein, dass sie nur begrenzte Kapazitäten habe, Verstöße gegen die Richtlinien guter Unternehmensführung zu ahnden. "Wir können nur auf die schlimmsten Missetäter schauen", sagt die Corporate-Governance-Beauftragte. State Street ist einer der größten Asset Manager der Welt und hält über seine Indexfonds Beteiligungen an gut 10.000 Unternehmen.

So habe ihr Haus im vergangenen Jahr allein über mehr als 4.000 Anträge auf Bewilligung von Managerboni abstimmen müssen. Rund 1.000 davon seien als möglicherweise problematisch herausgefiltert und näher begutachtet worden. 300 habe State Street schließlich abgelehnt. Die übrigen 3.000 Gehaltspläne seien hingegen nicht weiter geprüft und automatisch durchgewunken worden, berichtet Kumar.

Bei Gehaltsexzessen droht Veto
Die Managerin kündigte jedoch an, dass State Street künftig stärker die Management-Gehälter kontrollieren werde. Unternehmen, die sich nicht an Richtlinien für eine angemessene Vergütung halten, könnten auf Aktionärsversammlungen die Unterstützung von State Street verlieren. Zudem werde ihr Haus weiter darauf drängen, dass mehr Frauen in Führungspositionen berufen werden. (ert)