Der Reeder Hermann Ebel muss die Waffen strecken. Zu Beginn des neunten Krisenjahres in der Schifffahrt gingen dem Unternehmer und Fondsinitiator die finanziellen Mittel aus, um die finanziellen Verpflichtungen aus Krediten und Bürgschaften zu erfüllen. Nachdem die Gespräche mit den Gläubigern gescheitert sind, ging Ebel zum Amtsgericht. Wörtlich heißt es in seiner Mitteilung:

"In den letzten Monaten sind intensive und konstruktive Gespräche zwischen den Gläubigern, meinen Beratern und mir geführt worden, um eine gemeisnchaftliche Lösung zu finden. Leider hat sich dabei gezeigt, dass die Gläubigerbanken sowie eine asiatische Werft unteinander über die Verteilung der bereitstehenden Mittel und Vermögenswerte uneins sind. Dies hat eine gemeinschaftliche Lösung verhindert. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, ein gerichtliches Schuldenbereinigungsverfahren zu beantragen."

Das Amtsgericht Bremen hat am 17. Januar die vorläufige Verwaltung von Ebels Vermögen angeordnet. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Rechtsanwalt Jan H. Wilhelm in Bremen. 

Operatives Geschäft "weder betroffen noch beeinträchtigt"
Der Gründer und Chef des Emissionshauses Hansa Treuhand strebt ein Planinsolvenzverfahren an, in dem alle Gläubiger gleichmäßg behandelt werden soll. Ebel hat in dieser Schifffahrtskrise nach eigenen Angaben "Liquiditätsbeiträge von deutlich über 100 Millionen Euro" geleistet. Die laufende Restrukturierung der Unternehmensgruppe Hansa Treuhand soll nun in dem Planzinsolvenzverfahren zu Ende gebracht werden. Die operativen Gesellschaften und die Holding sind "hiervon weder betroffen noch beeinträchtigt". Im vergangenen Herbst musste Ebel allerdings schon für Hansa Treuhand Schiffsbeteiligungs GmbH Insolvenz anmelden.

Nach Angaben in der "Leistungsbilanz 2014" hat Hansa Treuhand von 1983 bis 2008 insgesamt 101 Schiffe finanziert. Das kumulierte Investitionsvolumen beträgt 3,8 Milliarden Euro. Davon stammen 1,8 Milliarden Euro von Anlegern. Ende 2014 bestand die Flotte aus 50 Containerschiffen, vier Tankern und zwei Hochsee-Segelschiffen. 2015 und 2016 mussten zahlreiche Schiffe Insolvenz anmelden oder vor der Insolvenz notverkauft werden. Anfang Dezember betrieb Hansa Treuhand nur noch 30 Container- und die vier Tankschiffe. (ae)