Nach der ressourcenraubenden Verschmelzung von RBI und RZB kommt die neue RBI in ein ruhigeres Fahrwasser. Der Merger, der im März endgültig abgeschlossen wurde, hatte häufig interne Prozesse an anderen Stellen aufgehalten oder verlangsamt, wie Insider gegenüber FONDS professionell berichteten. Nun konnte Neo-CEO Johann Strobl der Präsentation der ersten Halbjahreszahlen des fusionierten Instituts positive Vorzeichen voranstellen: "Wir sind besser, als wir erwartet haben", so Strobl.

Das Konzernergebnis lag mit 587 Millionen Euro (plus 149 Prozent) über den Erwartungen. Der Return on Equity stieg von 5,6 auf 12,9 Prozent, die Cost/Income Ratio sank von 62,4 auf 60,6 Prozent. Der Zinsüberschuss stieg um 1,3 Prozent – was unter anderem auf ein gesteigertes Kreditvolumen aber auch auf Wechselkurseffekte zurückgeht.

Kernkapitalquote rückt in den Hintergrund
Auch bei den Kernkapitalquoten kommt das Institut – wie bereits davor – gut voran: Derzeit liegt die RBI bei 12,8 Prozent CET1-Quote (fully loaded). "In den Halbjahreszahlen ist die erfolgreiche Emission von zusätzlichem Kernkapital (AT1, Anm.) in der Höhe von 650 Millionen Euro noch nicht zu sehen, weil die Buchung erst per Anfang Juli erfolgt", sagt Strobl. Wenn diese 650 Millionen eingerechnet werden, bringe das knapp einen Prozentpunkt mehr für die CET1-Quote. Die von der RBI mittelfristig angestrebte Marke von 13 Prozent gilt also quasi als erreicht. "Dieses Thema wird uns in den kommenden Jahren etwas weniger beschäftigen", sagt Strobl.

Das Hin und Her beim verpflichteten Teil-Börsegang der Tochter in Polen soll kommendes Jahr zu Ende sein: "Mit dem IPO in Polen werden wir hoffentlich bis Mai 2018 zu einem Erfolg kommen", so Strobl. Aber: "Es muss ein für uns akzeptabler Preis sein", wie Strobl sagte – Der schwache Preis, den die RBI erzielt hätte, war einer der Gründe für die jüngst erfolgte Absage des IPO.

Auch Russland bleibe ein wichtiger Markt, man konzentriere sich hier auf große multinationale und die größten lokalen Unternehmen. Gleichzeitig habe man auch im Mittelstand ein Modell gefunden, "wo man die Leistung ausbauen kann, ohne zu große Risiken einzugehen". Ein besonderer Schwerpunkt liege auf provisionsbasierten Produkten. Punkto Retail fokussiert sich die RBI in Russland auf gehobene Kunden und KMUs. "Wir haben in Russland mittlerweile eine Situation, wo der Regulator das 'Know your Customer-Prinzip' sehr streng handhabt. Die Banken haben da Vorsorgen getroffen. Es gibt eine richtige Mischung aus Kreditvergabe und funktionierendem Zahlungsverkehr. Russland hat viel in den Bankenmarkt investiert", sagt Strobl über den für die RBI zentralen Markt.

Faule Kredite gehen zurück
Konzernweit gingen Risikovorsorgen für Kredite um 81,1 Prozent auf 76 Millionen Euro zurück, die NPL-Ratio (non performing loans) um 1,3 Prozentpunkte auf 7,3 Prozent. Insgesamt hat die RBI faule Kredite in Höhe von 5,9 Milliarden Euro in den Büchern stehen. 978 Millionen Euro konnten im ersten Halbjahr abgebaut werden. Davon wurde knapp die Hälfte (469 Millionen) an Investoren verkauft.

Als Käufer würden die klassischen risikobereiten Investoren – etwa Hedgefonds – auftreten, wobei Interesse und erzielter Preis höchst unterschiedlich sein können, wie CRO Hannes Mösenbacher zu FONDS professionell ONLINE sagte. "In Tschechien und der Ukraine sehen wir ein sehr starkes Interesse von lokalen Bietern. Im Vorjahr hatten wir ein kroatisches Portfolio im Wert von 70 Millionen Euro, für das es nur einen dezidierten Interessenten gab. Heuer waren in einer ersten Runde bereits 20 bis 30 Interessenten, in der finalen Runde noch sechs große Investoren. Wir verkaufen nicht, wenn der Preis nicht passt. In diesem Fall warten wir lieber“, so Mösenbacher. Man verkaufe außerdem nur Kredite, wo alle anderen Möglichkeiten – etwa eine Umstrukturierung – ausgeschöpft wurden. 

NPL auf der EU-Agenda
Mittlerweile beschäftigt sich auch die EU mit einem zügigeren Abbau der faulen Kredite. Insgesamt haben die Banken davon rund eine Billion Euro in den Büchern stehen. Die Finanzminister haben Anfang Juli angekündigt, dass sie einen Sekundärmarkt für faule Kredite schaffen wollen. Vor allem geht es dabei um Informationsregelungen zu den NPLs einer Bank. Derzeit würde mangelnde Transparenz dazu führen, dass die Banken faule Kredite häufig weit unter ihrem tatsächlichen Wert verkaufen müssen.

Griechenland ist mit einer NPL-Quote von knapp 46 Prozent des Bruttoinlandsprodukts der negative Spitzenreiter in der EU. Österreich liegt mit 5,31 Prozent weit davon entfernt, aber auch deutlich schlechter als Schweden, das etwas weniger als ein Prozent des BIP verbucht. (eml)