Chinesische Behörden haben am vergangenen Wochenende einer Managerin der Schweizer Großbank UBS am Flughafen in Peking den Pass entzogen. Zwar befindet sich die Frau, die sonst in Singapur tätig ist, nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ) nicht in Haft. Doch ausreisen kann sie vorerst nicht. Die Gründe für die Festsetzung sind noch unklar. Vermutungen zufolge ist der Vorgang ein Signal der chinesischen Behörden an ausländische Banken und Vermögensverwalter: Diese sollen Chinesen nicht dazu animieren, ihr Geld im Ausland zu investieren. Die UBS hat vorsorglich einen China-Reisestopp für ihre Mitarbeiter verhängt.

Die UBS unterhält zwar Filialen in Shanghai und Peking, doch das eigentliche China-Geschäft der Bank wird von Fachleuten betreut, die nicht direkt in der Volksrepublik ansässig sind. Die Regierung in Peking sieht ausländische Banken und Vermögensverwalter kritisch. Sie befürchtet offenbar, dass durch deren Aktivitäten hohe Summen das Land verlassen könnten und der chinesischen Wirtschaft so Liquidität entzogen werden könnte. Ein Symptom für diese Furcht sind Chinas Kapitalausfuhrkontrollen, die mit als die strengsten der Welt gelten. Laut Gesetz darf jeder Bürger jährlich nur umgerechnet 50.000 Dollar außer Landes bringen. 

Womöglich kein Einzelfall
Beobachter befürchten, dass es sich bei dem Vorfall am Pekinger Flughafen nicht nur um einen Einzelfall oder ein individuelles Fehlverhalten handeln könnte, sondern dass System dahinter steckt. Nicht nur die UBS hat deshalb Konsequenzen gezogen. Die in Zürich ansässige Privatbank Julius Bär hat intern Dienstreisen nach China auf unbestimmte Zeit verschoben. Anfang dieser Woche soll die UBS-Managerin befragt werden. Bei der UBS heißt es dazu offiziell bislang nur: "Kein Kommentar". (fp)