Die österreichischen Banken haben zuletzt hart an ihrer Effizienz gearbeitet. Zum Beispiel strichen sie die Zahl der Hauptanstalten in den vergangenen fünf Jahren um fast ein Fünftel zusammen. Die Restrukturierungen machen sich nun bezahlt – und werden durch das positive Marktumfeld unterstützt: Die operativen Gewinne der Austrobanken sind im ersten Halbjahr 2017 auf rund 3,8 Milliarden Euro gestiegen. Das ist ein Plus von 32 Prozent zum ersten Halbjahr 2016. Der Nachsteuergewinn kletterte um über 39 Prozent auf knapp 4,5 Milliarden Euro. Der aktuelle Financial Stability Report der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) stellt den heimischen Banken ein gutes Zeugnis aus.

Effizienz deutlich gesteigert
Die wichtige Kosten-Einnahmen-Quote (Cost-Income-Ratio) ist von 70,9 auf 62 Prozent sehr deutlich gesunken. Allein die Personalkosten gingen im ersten Halbjahr 2017 verglichen mit dem Vorjahr um rund 18,3 Prozent zurück.

Eine große Erleichterung für die Institute waren außerdem die stark zurückgegangenen Kreditausfallsrückstellungen (LLPs). So hatten die LLPs laut der Studie im Jahr 2009 als Konsequenz der Finanzkrise 65 Prozent der operativen Gewinne aufgezehrt. 2016 sank diese Belastung der Rückstellungen auf ein historisches Tief von neun Prozent an den operativen Gewinnen.

Der Anteil notleidender Kredite (NPL-Raten), der 2010 auf einen Rekordwert von 4,7 Prozent gestiegen war und dann über vier Prozent blieb, ist 2016 signifikant auf 3,5 Prozent gesunken. Hintergrund waren sowohl die gute Konjunktur als auch Bilanzbereinigungen. Besonders bei den großen Banken hat es hier enorme Anstrengungen gegeben: Bei ihnen waren die NPL-Quoten zwischen 2008 und 2012 von 1,5 auf 5,7 Prozent angestiegen, 2016 war der Wert wieder auf 2,6 Prozent abgesunken.

Kernkapital auf Rekordhoch
Die ebenso bedeutende CET1-Ratio (hartes Eigenkapital) liegt in Österreich bei einem Rekordhoch von 15,1 Prozent – das sind 190 Basispunkte über dem Wert des Vorjahres und ist deutlich besser als der EU-Schnitt: EU-weit werden nur 14,5 Prozent erreicht. Seit Ende 2014 ist das CET1-Kapital um fast drei Prozent gestiegen, geht aus dem 101-seitigen Bericht hervor.

"Die Risikotragfähigkeit des österreichischen Bankensystems wurde gestärkt. Nun gilt es, den Aufschwung nachhaltig abzusichern und aufkommende zyklische Risiken frühzeitig zu adressieren“, schreiben die Studienautoren. Es bleibe trotz der guten Situation wichtig, "effizienzsteigernde Maßnahmen weiter voranzutreiben, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die Finanzmarktstabilität nachhaltig zu sichern. Die systemischen Risiken aus der Immobilienkreditvergabe bleiben dabei begrenzt, wenn auch eine erhöhte aufsichtliche Wachsamkeit angebracht ist".

Nowotny: "Verbesserte Wachstumsaussichten"
"Der breite makroökonomische Aufschwung manifestiert sich zurzeit in verbesserten Wachstumsaussichten, sowohl global als auch insbesondere auf europäischer Ebene", sagte Gouverneur Ewald Nowotny anlässlich der Präsentation der 34. Ausgabe des Financial Stability Report der OeNB.

"Auch in Zentral-, Ost- und Südosteuropa (CESEE) verfestigte sich der Aufschwung und animierte die in der Region aktiven Banken dazu, ihre Kreditvergabe auszuweiten",  heißt es. Die Profitabilität der österreichischen Tochterbanken in CESEE sei weiterhin von großer Bedeutung. Die höchsten Gewinne wurden im ersten Halbjahr in der Tschechischen Republik, in Russland und Ungarn erwirtschaftet.

"Die verbesserte Gewinnsituation der letzten Jahre trug zu einer höheren Kapitalisierung der österreichischen Banken bei; eine Entwicklung, die sich auch in den ersten sechs Monaten des Jahres 2017 fortsetzte und damit die Finanzmarktstabilität Österreichs verbesserte", führte Vize-Gouverneur Andreas Ittner aus. "Die systemischen Risiken aus der Immobilienfinanzierung bleiben in Österreich begrenzt, wenn auch eine erhöhte aufsichtliche Wachsamkeit angebracht ist, da ein steigender Anteil der neu vergebenen Wohnbaukredite an private Haushalte relativ hohe Beleihungs-, Schuldendienst- und Verschuldungsquoten aufweist", heißt es. (eml)