Die Oberbank legt ihr hoffnungsvoll begonnenes Irangeschäft auf Eis. Grund ist der Rückzug der USA aus dem Iranabkommen und die damit einhergehende Wiedereinführung der US-Sanktionen: "Die Bedrohung europäischer Unternehmen mit US-Sekundärsanktionen zwingt auch uns zum Rückzug", teilt das Unternehmen mit. Die stufenweise Rückkehr der USA zum Sanktionsregime führe "spätestens per 4. November 2018 zum Ausschluss iranischer Banken von den internationalen Zahlungswegen".

Erste Bank mit langfristigem Iran-Vertrag
Die Bank mit Sitz in der oberösterreichischen Stahlstadt Linz war europaweit eine der wenigen, die eine Geschäftsbeziehung zum Iran aufbauen konnten. Oberbank-Chef Franz Gasselsberger hat noch 2017 einen viel beachteten Vertrag mit iranischen Banken unterzeichnet, der eine längerfristige Finanzierung österreichischer Infrastruktur-Investitionen in den Iran ermöglichen hätte sollen. Die Oberbank war damit das erste europäische Kreditinstitut, das eine solche Vereinbarung für langfristige Investitionen unterzeichnete. Bis dahin war es nach der schrittweisen Aufhebung der Wirtschaftssanktionen, die 2016 eingeleitet wurde, nur zu kürzerfristigen Exportfinanzierungen gekommen.

"Die Oberbank hat in den letzten beiden Jahren zahlreiche Kunden und deren Irangeschäft unterstützt", teilt das Institut nun ohne Angabe von Zahlen mit. Es wird nun keine "Geschäftsbeziehung mit Firmen- oder Privatkunden mit Sitz oder Wohnsitz im Iran oder mit wirtschaftlichen Eigentümern mit Sitz oder Wohnsitz im Iran" geben. Zahlungsverkehr und Akkreditivgeschäft mit Iran-Bezug werden den Oberbankkunden nur mehr für vor dem 8. Mai 2018 unterzeichnete und vor dem 4. November zu erfüllende Verträge bereitgestellt. Den Kunden wird nahe gelegt, laufende Geschäfte mit Iran-Bezug "zeitnah abzuschließen. Zahlungen werden ab dem 4. November 2018 aus heutiger Sicht nicht mehr möglich sein", heißt es.

Ausnahmeerscheinung wegen Filialeröffnungen
Die Oberbank, die 2017 das achte Rekordergebnis in Folge ablieferte und eine Bilanzsumme von knapp 21 Milliarden Euro aufweist, ist sowohl auf Privatkunden als auch auf den Mittelstand und die Industrie spezialisiert. In der Mittelstandsnische ist die Oberbank auch im angrenzenden Ausland erfolgreich.

Das Institut hob sich in den vergangenen Jahren vom Markt ab, weil es zahlreiche Filialen eröffnete, während die Konkurrenz massenhaft Zweigstellen einspart. Allein heuer soll die Zahl der Oberbankfilialen um knapp ein Dutzend auf über 170 steigen. Eröffnet wird vor allem in Deutschland, wo man seit langem in Bayern aktiv ist. Erstmals wird es heuer Oberbankinstitute in Baden-Württemberg, Sachsen und Sachsen-Anhalt geben. (eml)