Aufgeschreckt durch wiederholte Ertragseinbrüche verkleinert die Deutsche Bank ihr Investmentbanking. Der Handel mit Anleihen in den USA soll zurückgeschraubt werden. Dort und in Asien werde das Institut sein Geschäft zudem in jenen Bereichen reduzieren, die kaum grenzüberschreitend tätig seien. Vor allem aber wird sich der Geldriese nach eigenen Angaben im Beratungs- und Finanzierungsgeschäft auf europäische Kunden fokussieren. 

"Unsere Wurzeln liegen in Europa – hier wollen wir Unternehmen und institutionellen Kunden weltweite Finanzierungslösungen anbieten", sagte der neue Vorstandsvorsitzende Christian Sewing. "Darauf werden wir uns künftig noch viel stärker konzentrieren."

Auf die Belegschaft kommen neue Stellenstreichungen zu. Der Umbau der Unternehmens- und Investmentbank werde in den betroffenen Regionen und Geschäftsfeldern mitJobverlusten verbunden sein, stellte Sewing klar. "Diese Einschnitte sind schmerzlich, aber leider unvermeidlich, wenn unsere Bank dauerhaft wettbewerbsfähig bleiben soll."

Privatkundengeschäft und DWS sollen es richten
Mit der teilweisen Abkehr vom einstmals so wichtigen Investmentbanking geht einher, dass die Privat- und Firmenkundenbank sowie der Vermögensverwalter DWS ab 2021 ungefähr die Hälfte der Konzernerträge erwirtschaften sollen. Zusammen mit der Transaktionsbank sollen diese stabileren Geschäftsbereiche einen Ertragsanteil von etwa 65 Prozent erreichen. Allerdings musste die DWS für das erste Quartal 2018 herbe Mittelabflüsse melden.

Die Pressemitteilung der Deutschen Bank kommt rund zwei Wochen, nachdem nicht nur John Cryan als Vorstandschef des Geldhauses zurücktreten musste, sondern auch sein damaliger Stellvertreter und Chef des Investmentbankings Markus Schenck seinen Hut nahm. Damit zeigt sich nun, dass die Entscheidung für den aktuellen Bank-Chef Sewing, der unter Cryan das Privatkundengeschäft führte, auch ein strategisches Votum gegen das unter Sewings Vorgängern Josef Ackermann und Anshu Jain so hofierte und wichtige Investmentbanking ist. Dieses hatte aber wegen zahlreicher Skandale und Rechtsprobleme in den vergangenen Jahren hohe Kosten für deren juristische Aufbereitung verursacht.

Bemerkenswert auch: Die Europäische Zentralbank hatte die Deutsche Bank vor rund zehn Tagen aufgefordert, die Folgen einer Abspaltung des Investmentbankings gedanklich durchzurechnen. Die Zentralbank betonte den Medienberichten zufolge zwar, dass es keinen Zusammenhang mit dem nur wenige Tage zuvor bekannt gewordenen Weggang Schencks gebe – dennoch hielten sich in Frankfurter Bankkreisen entsprechende Gerüchte.

Erneuter Gewinnrückgang im Investmentbaking
Die Bedeutung des Investmentbankings für den Dax-Konzern hat sich mittlerweile geändert, wie die aktuellen Geschäftszahlen des Geldhauses zeigen. Im ersten Quartal des laufendes Jahres, das noch Sewings Vorgänger Cryan zu verantworten hatte, ging der Gewinn unter dem Strich deutlich von 575 Millionen im vergleichbaren Vorjahreszeitraum auf 120 Millionen Euro zurück. Die Erträge gaben um fünf Prozent auf sieben Milliarden Euro nach.

Vor allem die Investmentbank musste kräftig Federn lassen – die Erträge der Sparte sanken im Vergleich zum Vorjahresquartal um 13 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Im Gegensatz dazu hatten die meisten Konkurrenten, allen voran die großen Wall-Street-Banken, hier zuletzt hohe Gewinne eingefahren, wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet.

Der vormals von Sewing verantwortete Privat- und Firmenkundenbereich fuhr Erträge in Höhe von 2,6 Milliarden Euro ein, ein Rückgang um zwei Prozent. Hauptgrund dafür waren positive Einmaleffekte im ersten Quartal 2017, ohne diese seien die Erträge weitgehend stabil geblieben. Die Bank betont auch, dass höhere Einnahmen im Kreditgeschäft die negativen Auswirkungen der anhaltend niedrigen Zinsen und der aufwändigen Umsetzung der EU-Finanzmarktrichtlinie Mífid II in der Anlageberatung ausgeglichen hätten.

Führungsriege wird ausgedünnt
Der neue Chef will ferner auch die Axt bei den vielfach als zu hoch kritisierten Kosten der Bank anlegen: Der Vorstand werde sich nach den angekündigten drei Abgängen – neben Cryan, Schenck auch IT-Chefin Kim Hammonds – erheblich verkleinern.

"Doppelspitzen in den Geschäftsbereichen werden abgeschafft. Auf allen Ebenen sollen schlankere Führungsstrukturen zu geringeren Kosten und schnelleren Entscheidungen führen”, erklärte das Institut. Außerdem will die Bank ihre Ausgaben für externe Dienstleister generell auf den Prüfstand stellen, Gebäudekosten reduzieren und interne Kontrollsysteme effizienter machen. (jb)