Markus Taubert war viele Jahre auf Investorenseite tätig, sei es als Portfoliomanager bei Wilhelm von Finck, als Leiter Kapitalanlagen bei der Pensionskasse der Wacker Chemie oder als Chief Investment Officer der Berenberg-Vermögensverwaltung. Im August 2012 wechselte er dann auf die Vertriebsseite – als Leiter des institutionellen Geschäfts von Blackrock in Deutschland und Österreich. Knapp fünf Jahre später übernahm er schließlich den Posten des Länderchefs beim US-Fondsanbieter Muzinich (FONDS professionell ONLINE berichtete). Die Redaktion traf Taubert in Köln zum Interview.

Herr Taubert, Sie leiten seit Juli 2017 das Geschäft von Muzinich in Deutschland und Österreich. Was haben Sie sich vorgenommen?

Markus Taubert: Der Markt für Vermögensverwaltung wächst strukturell um rund drei bis fünf Prozent im Jahr. Unser Ziel ist es, doppelt so schnell zu wachsen. Unser Team von derzeit zehn Mitarbeitern in Frankfurt soll graduell aufgebaut werden, sowohl für den Wholesale-Vertrieb als auch im institutionellen Geschäft. Wir wollen noch tiefer in die einzelnen Segmente einsteigen und damit sichtbarer werden, zum Beispiel mit fundierten Marktmeinungen.

Bislang war Ihr Haus zumindest in Deutschland und Österreich vor allem im Geschäft mit institutionellen Kunden tätig. Soll sich das ändern?

Taubert: Der Eindruck täuscht. Etwa die Hälfte unserer hierzulande eingeworbenen Assets stammt von institutionellen Investoren, die andere Hälfte kommt aus dem Wholesale-Kanal, insbesondere von den großen Filialbanken, Privatbanken, Dachfonds und Family Offices. Einige unserer Fonds stehen auf den Empfehlungslisten der größten Banken. Dennoch ist unser Marktanteil noch ausbaufähig. Darum sehe ich ja auch so gute Wachstumschancen. Ein anderes Beispiel für retailnahes Geschäft: In Österreich managen wir für die Investmentgesellschaft eines großen Versicherers schon seit 15 Jahren mehrere Publikumsfonds mit nachhaltigen Unternehmensanleihen im Volumen von fast einer Milliarde Euro. Solche White-Label-Mandate wären auch in Deutschland denkbar.

Seit wann ist Muzinich denn in Deutschland und Österreich aktiv?

Taubert: Eigentlich schon seit 25 Jahren. Deutschland ist ein Kernmarkt für Muzinich. Tatsächlich liegen die familiären Wurzeln von George Muzinich, der die Firma vor 30 Jahren gründete, auch in Europa. Die Verbindung war dementsprechend immer sehr eng. So kommt es, dass 80 Prozent der Assets aus Europa stammen, obwohl das Unternehmen seinen Sitz in New York hat. Auch acht unserer weltweit zehn Büros liegen in Europa. In Deutschland und Österreich kümmerte sich George um den Vertrieb lange Zeit persönlich, bis vor über zehn Jahren ein eigenständiges Büro in Köln eröffnet wurde. Heute ist Muzinich ein unabhängiges, familiengeführtes Unternehmen mit internationaler Präsenz und Dependancen in den USA, Europa und Asien.

Ihr Arbeitgeber ist für Fonds mit Unternehmensanleihen bekannt. Haben Sie auch Produkte in anderen Anlageklassen?

Taubert: Es stimmt, dass Muzinich nur Credit-Fonds anbietet. Wir waren einer der ersten spezialisierten High-Yield-Investoren, später folgten Unternehmensanleihen aus Schwellenländern und Asien. Nicht vergessen dürfen Sie auch den illiquiden Markt, also das Private-Debt-Geschäft. Die Nachfrage in diesem Bereich steigt enorm, weil die Investoren zunehmend bereit sind, eine geringere Liquidität in Kauf zu nehmen, um einen Renditeaufschlag zu erzielen. Erst kürzlich konnten wir erfolgreich unsere erste Private-Debt-Finanzierung in Deutschland abschließen. Muzinich beschäftigt eines der größten Credit-Teams weltweit mit insgesamt 80 Portfoliomanagern, Risiko- und Branchenanalysten. Wir konzentrieren uns voll auf die fundamentale Unternehmensanalyse und erstellen eigene Ratings. Die alles entscheidende Frage ist für uns, ob der Cashflow des Unternehmens ausreicht, um das Fremdkapital und die Schulden zurückzubezahlen. Uns zeichnet ein besonderes Bewusstsein für Unternehmensrisiken aus. Für uns ist deshalb nicht das Image einer Firma entscheidend, sondern ihre tatsächliche Performance und das zugrundeliegende Geschäftsmodell.

Ist die Anlageklasse Credit denn überhaupt noch attraktiv? Die jahrzehntelange Rentenrally ist vorbei. Zumindest in den USA steigen die Zinsen wieder, was die Kurse der Anleihen unter Druck bringt.

Taubert: Das Zinsänderungsrisiko ist derzeit eher unangenehm – da gebe ich Ihnen Recht. Ein Investment in langlaufende Staatsanleihen kann sehr schmerzhaft werden. Doch das Kreditrisiko ist nach wie vor deutlich attraktiver bepreist. Unternehmensanleihen bieten eine bessere Rendite als Staatspapiere bei einer kürzeren Duration.

Der Risikoaufschlag ist aber deutlich kleiner als früher.

Taubert: Viele Unternehmensanleihen sind zwar hoch bewertet, aber das ist fundamental gut begründet. Die Unternehmen waren selten in einer besseren Verfassung als heute. Die Verschuldung ist überschaubar, die Refinanzierungsbedingungen sind hervorragend. Vor diesem Hintergrund ist die Verzinsung nach wie vor attraktiv.

Was wäre das größte Risiko für Ihre Fonds?

Taubert: Eine tiefe, abrupte Rezession. Wir sehen allerdings keine Anzeichen, dass ein solches Szenario bevorsteht.

Vielen Dank für das Gespräch. (bm)