Wie schnell aus einer ironischen Bemerkung Ernst werden kann, erlebt zurzeit John Cryan. Im Mai 2016 hatte der Deutsche-Bank-Chef hartnäckige Analystenfragen nach dem Schicksal der Konzerntochter Postbank mit typisch britischem Humor beantwortet: "Manchmal träume ich von einem chinesischen Käufer", sagte Cryan damals. Der Traum könnte wahr werden, denn nun verdichten sich Hinweise, wonach tatsächlich fernöstliche Geldgeber ein Auge auf die Privatkundenbank geworfen haben.

So meldet die "Financial Times", der chinesische Immobilienentwickler Dalian Wanda halte nach Übernahmezielen in Europa Ausschau. Darunter sei auch die Postbank, schreibt die Zeitung unter Berufung auf zwei mit der Sache vertraute Personen. Die Einkaufstour der Chinesen befinde sich aber in einem sehr frühen Stadium, und noch sei Wanda offiziell nicht an den Eigner der Postbank herangetreten. Die Wanda Group erklärte, es habe keinen Kontakt mit der Postbank gegeben.

Zuletzt schien die Deutsche Bank ihre Pläne geändert und überlegt zu haben, die unverkäufliche Tochter wieder zu reintegrieren. Nun scheint sich das Blatt erneut zu wenden. "Die Postbank steht zum Verkauf, aber der Preis muss stimmen“, hatte Privatkunden-Vorstand Christian Sewing unlängst dem "Handelsblatt" gegenüber erklärt. Damit eine Trennung sinnvoll sei, müsse sie sich positiv auf die Kapitalausstattung der Deutschen Bank auswirken. 2016 wäre ein Verkauf unter diesen Bedingungen nicht möglich gewesen. "Und ich bin mir nicht sicher, ob das 2017 der Fall sein wird", so Sewing. (ps)