Am 21. April 1998 wurde die Kepler Fonds KAG als Tochter der RLB OÖ gegründet. Aus den damals weniger als einer Milliarde Euro an verwaltetem Vermögen in fünf Publikumsfonds sind heute rund 16 Milliarden Euro und 136 Fonds geworden. Gemessen am verwalteten Vermögen ist Kepler damit hinter Amundi, der Raiffeisen KAG und der Top-platzierten Erste Sparinvest (rund 33 Milliarden Euro) die Nummer vier unter den heimischen KAGs.

Der Zuspruch des Marktes rechtfertigt aus Sicht von Michaela Keplinger-Mitterlehner, Generaldirektor-Stellvertreterin der RLB OÖ, das Bestehen einer eigenen Kapitalanlagegesellschaft. "Es hat sich gezeigt, dass wir mit Kepler unmittelbar auf Kundenbedürfnisse reagieren und Neuerungen schnell umsetzen können", so Keplinger-Mitterlehner. 2008 habe man zum Beispiel mit der Einführung von Laufzeitenfonds auf das gesteigerte Sicherheitsverlangen von risikoaversen Kunden reagiert: "Dadurch haben wir viele Kunden behalten, die sonst vielleicht in den Sparbereich gegangen wären", meinte die RLB-OÖ-Vize-Chefin vor Journalisten in Wien.

Punkten mit Spezialitäten
Laufzeitenfonds sind Anleihenfonds, die im Unterschied zum klassischen Pendant mit fixem "Ablaufdatum" versehen sind und meist bis zum Ende gehalten werden (gegen Gebühr auch davor verkaufbar). Die Anleihen, ihr Risiko und ihre Fälligkeit können daher exakt mit der Laufzeit abgestimmt werden.

"Mit Spezial-Themen wie Ethik, Anleihen oder Minimum Varianz (gesenktes Portfoliorisiko, Anm.) können wir uns auch auf dem großen deutschen Markt  gegenüber der Konkurrenz behaupten", so Keplinger-Mitterlehner, die auf zahlreiche Auszeichnungen in den vergangenen Jahren auf dem Markt verweist. Die drei Hauptregionen für Kepler in Deutschland sind der Süden, Frankfurt und der Raum Hamburg. Der Sinn als eigene KAG innerhalb der Raiffeisen-Bankengruppe sieht die Expertin gegeben, sie rechnet aber mit einer weiteren Konsolidierung unter den heimischen KAGs.

"Kaum eine Chance für Kleine"
Nicht zuletzt sieht man das am eigenen Sektor: 2013 übernahm die Raiffeisen KAG (die heimische Nummer zwei), 75 Prozent an der Raiffeisen Salzburg Invest KAG (eine der kleinsten in Österreich). "Die Salzburger sind ja schon auf dem Weg der Integration. Wir sind für die Kepler Fonds zuversichtlich, dass wir weiter wachsen und expandieren, in dem wir auf Spezialisierung setzen. Aber es stimmt: Größe wird ein Faktor sein", so Keplinger-Mitterlehner auf Nachfrage.

Auch Andreas Lassner-Klein, Geschäftsführer der Kepler-Fonds KAG, meinte mit Blick auf die gestiegenen Regulierungserfordernisse: "Die kleinen KAGs werden kaum eine Chance haben". Um international zu reüssieren, müsse man für den eigenen Investmentansatz besondere Kernkompetenzen finden. Kepler mache das zum Beispiel als Anleihenspezialist durch die Beimischung kleinvolumiger Emissionen mit höheren Zinsaufschlägen, so Lassner-Klein.

Verwaltetes Vermögen seit Krise verdoppelt
Die Fondsgesellschaft konnte nach eigenen Angaben seit der Finanzkrise 2008 bis März 2018 ihre Assets under Management um 112 Prozent steigern. Der heimische Fondsmarkt legte derweil um 43 Prozent zu. Von den 16 Milliarden Euro in den Kepler Fonds entfallen fünf Milliarden auf Veranlagungen von Privatkunden.

Eigene Wege geht der Raiffeisensektor in Oberösterreich übrigens nicht nur mit einer KAG sondern auch im Fondsvertrieb. Zwar werde die österreichweit für die Raiffeisen-Bankengruppe gültige Masterliste für Fremdfonds ebenfalls angewandt, wie Keplinger-Mitterlehner sagte. Allerdings ist diese Liste an Fremdfonds, die aktiv den Kunden angeboten werden, in Oberösterreich länger als anderswo, wie die RLB-Vize ohne genaue Zahlen zu nennen bestätigte. (eml)