Am 8. November, also vor knapp einer Woche, begann am Raiffeisen-Sektor der Launch des neuen persönlichen Finanzportals "mein Elba". Der Werbetrailer zeigt eine persönlich gestaltbare Oberfläche mit heute in der Branche erwartbaren Features: ein Finanzmanager, der darstellt, wie viel man wofür ausgegeben hat oder eine "Empfängerschnellauswahl", die das Überweisen vereinfachen soll. Ein praktisches und sekundenschnelles Überweisen durch Einscannen des QR-Codes oder der IBAN, wie man es etwa vom Erste Group-Konkurrenzportal "George" kennt, findet man aber nicht.

Während "George" schon vor Jahren mit Pomp und Getöse in den Markt kam, haben die Raiffeisengenossen zu ihrem neuen elektronischen Bankingsystem noch kein Kommunikationskonzept. Die RBI beantwortet dazu bisher keine Hintergrundfragen. Auch die meisten Landesbanken schweigen auf Anfragen. Nur zwei RLBs bestätigten den Roll-out, wenngleich sie zu Details keine Stellung nehmen.

"Ja, das persönliche Finanzportal 'mein Elba' wurde für die RLB NÖ-Wien ausgerollt, der Roll-out für den gesamten Sektor erfolgt in Tranchen. Eine bundesweite Kommunikation für 'mein Elba' startet mit Jänner 2018", heißt es aus Niederösterreich. In Salzburg wird das System voraussichtlich Mitte Dezember eingeführt, wie es gegenüber FONDS professionell ONLINE heißt. Die Salzburger unterhalten ja an sich eine komplett eigenständige IT; bei "mein Elba" beziehungsweise dem gruppenweiten Digitalisierungsprojekt "Digitale Regionalbank" sind sie aber Mitglied, wie es heißt.

Berater dürfen hoffen
Mein Elba ist nicht das einzige Großprojekt, das auf dem Sektor endlich für zeitgemäße Digitalstandards sorgen soll. Wie ein IT-Experte gegenüber FONDS professionell bereits Anfang des Jahres sagte, sollen alle Bankberater in der Raiffeisen-Bankengruppe 2018 eine eigene einheitliche Benutzeroberfläche an die Hand bekommen. Eine entsprechende einheitliche Profi-Anwendung habe es bis jetzt nicht gegeben. Sie soll die Berater im Kundenkontakt durch alle Anforderungen der Regulierungserfordernisse lotsen und – zum Beispiel durch bessere Datenverknüpfung – für ein effizienteres Beratungsergebnis sorgen. Wo dieses Projekt steht, dazu ist aktuell nichts in Erfahrung zu bringen. Anfang des Jahres hörten wir von mehreren Personen aus dem Sektor, dass der RBI-RZB-Merger, der heuer über die Bühne ging, viele Prozesse verzögerte.

Das persönliche Finanzportal ist laut Informationen aus der RBI "der größte Brocken" in der gesamten Digitalisierungsstrategie, die seit 2016 unter dem Schlagwort "Digitale Regionalbank" läuft. Die Digitale Regionalbank umfasst zwölf Projekte, in die zwischen 2016 und 2019 siebzig Millionen Euro investiert werden. Gemäß Raiffeisenblatt ist "die gesamte Raiffeisen Bankengruppe auf allen Ebenen" eingebunden; also auch die RBI, die dazu nichts sagt. Insofern war vorerst auch nicht zu erfahren, ob und wann "Mein Elba" in den 14 CEE-Ländern der RBI ausgerollt wird. (eml)