Der ehemalige Vorstandschef der US-Fondsgesellschaft Alliance Bernstein, Peter Kraus, hat eine eigenen Asset Manager gegründet. Das Konzept von Aperture Investors fußt auf einem radikalen Ansatz: Große Teile des Gehalts der Mitarbeiter sind an die Performance der Fonds geknüpft. Gelingt es nicht, den Markt zu übertreffen, müssen die Anleger nur Gebühren auf dem Niveau börsengehandelter Indexfonds (ETFs) bezahlen – und die Manager mitunter sogar ihre Boni zurückerstatten.

Der ehemalige Goldman-Sachs-Partner reagiert damit auf den immer schärfer werdenden Wettbewerb in der Branche. ETFs knöpfen etablierten traditionellen Managern Marktanteile ab und lösen eine Rabattschlacht aus – in der gesamten Investmentindustrie. Kraus verließ im Mai 2017 Alliance Bernstein nach fast zehn Jahren. Die Gründe sind nicht bekannt. Berichten zufolge kam es aber zu Unstimmigkeiten mit der Führungsriege des Eigners, der französischen Versicherung Axa.

Allein die Leistung zählt
Die Idee von Kraus ist nicht völlig neu. Während klassische Gebührenordnungen vom Fondsvolumen abhängen, statte Kraus' Ex-Arbeitgeber Alliance Bernstein in den USA einige Fonds mit der sogenannten Fulcrum-Fee aus. Diese steigt und fällt mit der Outperformance der Manager. Konkurrent Fidelity führt dieses Konzept ebenfalls ein – auch in Europa. Und auch Allianz Global Investors experimentiert mit entsprechenden Gebührenmodellen.

Kraus behauptet aber, dass sein Ansatz weiter gehe. "Der Unterschied ist, dass wir als ganze Firma allein für unsere Leistung bezahlt werden", sagte Kraus dem "Wall Street Journal". Die Bindung von Wohl und Wehe des Unternehmens an den Erfolg der Fonds kann zwar die Motivation der Portfoliomanager mit den Interessen der Kunde auf eine Linie bringen. Doch kann dies auch dazu verleiten, übermäßige Risiken einzugehen, um Verluste aufzuholen.

Milliarden-Zuschuss aus Italien
Zunächst will Kraus mit zwei Strategien starten: eine auf Aktien und Anleihen aus Schwellenländern, die andere auf Unternehmensanleihen. Einen starken Partner hat der Finanzprofi auch gefunden: Die Versicherung Generali steuert vier Milliarden Startgeld für die Fonds bei. Die Fondssparte der italienischen Versicherung hat verkündet, auf Partnersuche zu sein. Jüngst gab das Haus bekannt, über eine Beteilgung an der Boutique Sycomore zu verhandeln. (ert)