Der Einsatz der Blockchain könnte globale Handelsgeschäfte enorm beschleunigen. Heute dauert es oft Wochen, bis allein die personal- und papierintensive Dokumentation zwischen Käufer, Verkäufer, Banken, Transportunternehmen und Regulatoren bewältigt ist. Wochen, in denen ungewiss ist, ob alle Seiten ihre Verpflichtungen überhaupt erfüllen können. Ganz abgesehen von den Fehlermöglichkeiten, die sich entlang der vielen Schnittstellen ergeben.

Die Blockchain-Plattform Batavia, der neben dem Technologiekonzern IBM sechs internationale Banken angehören, arbeitet daran, diesen Prozess deutlich zu beschleunigen und sicherer zu machen. Nun wurden erste Handelsgeschäfte real über die Batavia-Blockchain abgewickelt.

Lenzing lieferte nach Spanien
Zum einen handelte es sich um einen Autoverkauf von Deutschland nach Spanien. Der zweite war ein Verkauf von Rohmaterialien für die Möbelproduktion aus Österreich nach Spanien, für den die Erste Group mit ihrem Kunden Lenzing kooperierte.

Die Experten der Erste Group wollten nicht genau beziffern, wie groß die Zeitersparnis für den Kunden gegenüber dem herkömmlichen Weg war. Es seien Pilotversuche gewesen. "Wir können aber bestätigen, dass das Ausmaß der manuellen Anstrengungen signifikant niedriger war", erklärte ein Sprecher gegenüber FONDS professionell ONLINE. In einem nächsten Schritt würden die Banken nun neue interne Prozesse entwickeln, die auf eine "merkbare Zeitersparnis" abzielen.

Prozesse laufen auf der Blockchain automatisch ab
Batavia biete die Möglichkeit, internationale Handelstransaktionen digital und automatisiert zu vereinbaren, abzusichern und zu finanzieren. Zum Beispiel kommen auf der Plattform sogenannten Smart Payments zum Einsatz. Das sind "intelligente Zahlungen", die automatisch ausgelöst werden, sobald ein bestimmtes Ereignis in der Lieferkette eintritt: etwa wenn die Ware tatsächlich am Zielort eintrifft. Auf der Plattform können auch Track-and-Trace-Lösungen integriert werden. Diese machen eine Nachverfolgbarkeit von der Herstellung bis zum Verbraucher über einen individuellen Code möglich.

Zum Einsatz können auch Risikomanagementtools kommen, die zwischen Käufer und Verkäufer vereinbarte wichtige Ereignisse in den Lieferketten sowie Signale von IoT (Internet of Things)-Vorrichtungen berücksichtigen. Derartige Geräte können im sogenannten Internet der Dinge selbstständig kommunizieren und Hinweise über Standort und Zustand der auf dem Transport befindlichen Waren senden. Die Pilottransaktionen wurden unter Berücksichtigung unterschiedlicher Transportwege, mehrerer Standorte und Handelspartner in verschiedenen Größen durchgeführt.

Oft wird prognostiziert, dass die Blockchain die Möglichkeit eröffnet, Banken zu umgehen, weil Handelspartner über diese relativ betrugssichere Technologie gleich unmittelbar miteinander das Geschäft abschließen könnten. Die Experten der Erste Group sehen das anders: Die Blockchain ersetze die traditionelle Rolle der Geldhäuser nicht. Risikonahme durch die Bank und dadurch die Risikominderung seien nach wie vor wichtig für den Abschluss internationaler Geschäfte.

Ein Youtube-Video zeigt, wie die Transaktionen auf Batavia funktionieren. (eml)