Seit 30 Jahren ist Ed Walczak für Vontobel Asset Management US (VAMUS) aktiv. Eine Zeitspanne, in der sich die Voraussetzungen für einen Erfolg im Business kräftig gewandelt haben. "Früher war es eindeutig einfacher. Wenn man sein Research machte und ein paar Informationen zu den Unternehmen einholte, hatte man schon einen Wissensvorsprung. Heute sind viel mehr Fliegen um den Honigtopf herum. Der Wettbewerb ist hart", sagt Walczak im Gespräch mit FONDS professionell ONLINE. Er prägte als Portfoliomanager die US-Aktien-Strategie des Schweizer Vermögensverwalters wesentlich mit.

"Buffett ist der Papst"
Seiner Strategie ist Walczak trotz der sich ändernden Bedingungen treu geblieben. Als Anhänger von Warren Buffett sucht er unbeirrt nach günstig bewerteten Qualitätsunternehmen. Die gebe es immer, selbst in Phasen generell hoher Marktbewertungen.

"Ich werde momentan dauernd gefragt, ist der US-Markt nicht zu teuer? Findet ihr noch Aktien? Ja, wir finden solche Firmen, die in unser Konzept passen. Natürlich gibt es Unternehmen wie Estée Lauder oder Henry Shine, die wir verkauft haben, weil sie zu teuer wurden. Bei Mondelez, beim Farbenhersteller Sherwin-Williams und bei Royal Caribbean Cruiselines haben wir hingegen gekauft. Auch bei einer PNC Bank finden wir, was wir suchen. Wir haben zwar aktuell das Segment Konsumgüter von 30 auf 17 Prozent reduziert, aber es gibt in dieser Branche noch immer viele Firmen, die unsere Kriterien erfüllen", so Walczak.

Naturgemäß würden am Markt viele Investoren nach genau diesen qualitativ hochwertigen Unternehmen suchen. Es sei die Aufgabe des Fondsmanagements, hier die Qualität richtig einzuschätzen. "Buffett sagte schon: 'It is simple but not easy'. Buffet ist der Papst".

"Politik ist nur Geräuschkulisse"
Die innen- und außenpolitischen Eruptionen unter dem neuen US-Präsidenten Donald Trump würden dem Team, das einen reinen Bottom-up-Ansatz verfolgt, keine Sorgen bereiten. "Die Politik und der ganze Rest ist für uns Geräuschkulisse", so Walczak. "Unser Zugang hat sich nicht geändert, wir suchen nach besserer Qualität. Wir machen das, was wir 'Time Arbitrage' nennen. Wir wollen Unternehmen, deren Zukunft und Wertentwicklung wir klar verstehen. Das schlimmste ist, wenn man Kapital verbrennt, weil eine Blase platzt. Bei Qualitätsunternehmen ist die Gefahr eine Blasenbildung deutlich geringer", so Walczak.

Den Wettbewerb unter den Anbietern merkt der Quality-Investor nicht zuletzt dann, wenn in Boomphasen die eigene Strategie als zu konservativ am Pranger steht. "Wir bewegen uns mit unserem Qualitäts-Konzept automatisch in einem Rad, wo wir ständig vom Idioten zum Helden und wieder zum Idioten rotieren. 1999 hatten wir keine Technologie-Aktien, alle haben uns belächelt. Ein Jahr später waren wir die Helden. Unser Konzept verlangt, dass man bei seinem Ansatz bleiben und ihn konsequent verfolgen muss", so Walczak, der damit auf die Dotcom-Blase anspielt, die im Frühjahr 2000 platzte.

Keine Angst vor Kursrücksetzern
An welcher Stelle im Anlagezyklus man sich gerade befindet, scheint aus Walczaks Sicht klar zu sein: "Volatilität sollte unser Freund sein. Keiner braucht einen aktiven Manager, wenn die Märkte rasant nach oben gehen. Ein Bärenmarkt wäre uns willkommen, auch wenn wir ihn nicht wirklich brauchen". Vergleichen kann sich das Team aber auch in den vergangenen starken Börsenjahren. Der US-Equity I Fonds weist gerechnet auf die vergangenen zehn Jahre eine Rendite von 13,4 Prozent per annum auf (Zahlen Morningstar). (eml)