Die DWS und Tikehau Capital haben eine strategische Allianz geschlossen. Mit der Vereinbarung wollten die beiden Vermögensverwalter verschiedene Geschäftsansätze identifizieren und entwickeln, heißt in einer Mitteilung. Der auf alternative Anlagen spezialisierte, französische Asset Manager Tikehau hatte sich beim Teilbörsengang der Deutschen-Bank-Tochter im März mit 2,8 Prozent beteiligt. Die Marktkapitalisierung der DWS beziffert sich derzeit auf rund 4,7 Milliarden Euro.

Die DWS-Führungsriege rund um Vorstandschef Nicolas Moreau hatte vor dem Börsengang den Bereich der alternativen Investments als besonderes Wachstumsfeld ausgerufen. Die Nachfrage der Anleger sei groß, und die Margen für die Anbieter fielen vergleichsweise hoch aus. In anderen Bereichen lasten hingegen steigende Kosten und der Konkurrenzdruck passiver Produkte auf den Erträgen.

Zwerg steigt beim Riesen ein
So erschien die Beteiligung des kleinen französischen Hauses bei dem deutschen Riesen zwar nach außen hin überraschend, für die DWS jedoch kam sie durchaus gelegen. Tikehau verwaltet ein Vermögen von 15 Milliarden, die Frankfurter fast 680 Milliarden Euro. "Diese Allianz ist vollständig darauf ausgerichtet, unsere Präsenz im Bereich der alternativen Anlagen weiter auszubauen, einem Bereich, in dem wir ein stark wachsendes Kundeninteresse sehen", sagte Moreau der Mitteilung zufolge.

Für die Franzosen wiederum zahlt sich die Beteiligung am Börsengang offenbar aus – trotz der schwachen Entwicklung der DWS-Aktie. Das Papier fiel seit der Ausgabe zu 32,50 Euro auf derzeit 24,71 Euro. Das Haus erleidet derzeit empfindliche Mittelabflüsse, ist im Umbruch begriffen und nahm vor dem Börsengang nach mehreren Umbenennungen wieder den Namen DWS an. So firmiert das Haus auf dem kommenden FONDS professionell KONGRESS 2019 in Wien erstmals seit geraumer Zeit wieder offiziell unter diesem Kürzel.

Tikehau erhält jedoch über die Kooperation Zugang zu den Vertriebskanälen der Deutsche-Bank-Tochter. "Mit dieser strategischen Allianz schaffen wir die Voraussetzungen, um auf der Grundlage unserer jeweiligen Expertise einen signifikanten Mehrwert zu liefern", sagte Antoine Flamarion, Mitbegründer von Tikehau Capital. "Das zeigt, wie sinnvoll es war, am Börsengang der DWS teilzunehmen."

Wechselseitige Beteiligung
Die Deutschen und Franzosen präsentierten gleich eine ganze Reihe von Punkten, bei denen sie kooperieren wollen. Neben einem möglichen Vertrieb von Fonds über die Kanäle des Partners planen beide Gesellschaften, 2019 ein neues Produkt im Bereich der alternativen Anlagen aufzulegen. Zudem wollen die Häuser ihre jeweilige Expertise in Feldern wie Nachrangpapieren, Nachhaltigkeit, Special-Situations sowie Private Equity und Infrastruktur teilen. Die Häuser suchen gemeinsam nach Anlagemöglichkeiten, teilweise investieren sich auch wechselseitig in die entsprechenden Fonds des Partners. (ert)