DJE Kapital war jahrelang Deutschlands größter unabhängiger Vermögensverwalter. Doch in den vergangenen Jahren gab es Anbieter, die deutlich schneller wuchsen – und DJE mitunter überholten. Aus den Publikumsfonds des Pullacher Vermögensverwalters floss sogar Geld ab, wie ein Blick in die BVI-Statistik verrät (siehe Grafik unten). Grund genug für ein Gespräch mit Michael Schütt, der seit Oktober vergangenen Jahres Mitglied der erweiterten DJE-Geschäftsleitung ist. Dort verantwortet der frühere Deutschlandchef von Carmignac Gestion den Vertrieb von Publikums- und Spezialfonds sowie das Marketing und die Öffentlichkeitsarbeit.

 

Herr Schütt, aus den BVI-Zahlen der Jahre 2010 bis 2015 geht hervor, dass aus den DJE-Wertpapierpublikumsfonds sechs Jahre in Folge Geld abgeflossen ist – in einer Zeit, in der andere Vermögensverwalter Milliarden einsammeln konnten. Ist das der Grund, warum man Sie im vergangenen Herbst an Bord geholt hat?

Michael Schütt: Die BVI-Zahlen, auf die Sie sich berufen, zeigen nur einen Ausschnitt unseres Geschäfts. Es fehlen die Spezialfonds für institutionelle Investoren, die individuelle Vermögensverwaltung sowie Mandate, die wir im Auftrag anderer Anbieter managen. Das Unternehmen ist in den vergangenen Jahren solide gewachsen, anders als es die BVI-Zahlen auf den ersten Blick vermuten lassen. Aber Sie haben schon Recht: Meine Aufgabe ist es, den Publikumsfondsbereich zu stärken. Ich möchte der Marke zu einer Bekanntheit verhelfen, die sie vor fünf oder sechs Jahren bereits hatte. Wir wollen die Wahrnehmung im Markt wieder erhöhen und die Kunden besser erreichen als bisher.

Wie soll das gelingen?

Schütt: In den vergangenen Jahren hat DJE vor allem den Vertrieb an institutionelle Investoren vorangetrieben. Die Retail-Seite mit Banken und freien Vermittlern wird künftig auch intensiver betreut werden. Wir werden das Vertriebsteam auf Sicht von einem bis anderthalb Jahren verdreifachen.

Das heißt konkret?

Schütt: Die Mannschaft wächst von drei auf neun Vertriebskollegen.

Werden alle in Ihrer Zentrale in Pullach sitzen?

Schütt: Nein, ein Kollege wird von Hamburg aus arbeiten, weitere an unserem Frankfurter Standort. Ziel ist, bei wichtigen Vertriebspartnern und auch in der Fläche präsent zu sein.

Was ist der Grund dafür, dass DJE in den vergangenen Jahren nicht mehr so stark wahrgenommen wurde?

Schütt: Ich würde es so formulieren: Einige Mitbewerber haben aufgeholt. Ihnen ist es gelungen, ihre Wahrnehmbarkeit zu steigern. Wir wachsen zwar nach wie vor, trauen uns perspektivisch aber größere Sprünge zu. Darum investieren wir entsprechend, nicht nur in den Vertrieb, sondern auch in die Prozesse, wie wir unsere Kunden betreuen – und nicht zuletzt in unser Sortiment. Unser Produktportfolio werden wir in Zukunft noch stärker auf die Bedürfnisse der Kunden und das Marktumfeld ausrichten als in den vergangenen Jahren. Wir arbeiten ständig an Produktinnovationen, rennen aber nicht jedem Trend hinterher. Wichtig ist, eng an unserem eigenen Kompetenzprofil zu bleiben.

Verraten Sie, was DJE im Köcher hat?

Schütt: Konkretes möchte ich jetzt noch nicht sagen. Nur so viel: Wir arbeiten an unserer Dividendenstrategie. Das Ergebnis dürften sowohl institutionelle Investoren als auch Privatanleger interessant finden.

Hat sich in den vergangenen Jahren gerächt, dass DJE vor allem als Aktienmanager bekannt ist – in einer Zeit, in der die Rentenrally immer weiter lief?

Schütt: Nein, das glaube ich nicht. Wir können auch Renten. DJE darf für sich in Anspruch nehmen, 1987 mit dem FMM-Fonds den ersten vermögensverwaltenden Mischfonds in Deutschland auf den Markt gebracht zu haben. Das geht nicht ohne Anleihenkompetenz. Ein anderes Beispiel ist der DJE Zins & Dividende, der seit Jahren hervorragende Ergebnisse abliefert.

Der Fonds ist einer der wenigen aus Ihrem Haus, der in den ersten zehn Monaten des vergangenen Jahres signifikante Zuflüsse verbuchen konnte und auch auf den Bestsellerlisten der Maklerpools zu finden ist.

Schütt: Dieser Trend hält an. Wir sehen Woche für Woche, dass eine sehr breite Investorenbasis neues Geld anlegt. Jan Ehrhardt beweist mit diesem Fonds, dass es auch in der Niedrigzinsphase gelingen kann, attraktive Renditen zu erwirtschaften.

Jan Ehrhardts anderer großer Fonds, der DJE Dividende & Substanz, hat dagegen mit Abflüssen zu kämpfen, obwohl Dividendenaktien bei Anlegern eigentlich hoch im Kurs stehen. Wie ist das zu erklären?

Schütt: Im DJE Dividende & Substanz sind verhältnismäßig viele institutionelle Investoren investiert. Wenn einer oder zwei dieser Großanleger aufgrund firmeninterner Entscheidungen Geld abziehen, macht sich das beim Mittelaufkommen gleich bemerkbar. Privatanleger dagegen vertrauen dem Fonds unter dem Strich neues Geld an.

Vielen Dank für das Gespräch. (bm)