Auf Christian Sewing ruhen nun alle Hoffnungen. Der neue Mann an der Spitze der Deutschen Bank soll das angeschlagene Institut wieder aufpäppeln. Doch auf der Hauptversammlung des größten deutschen Geldhauses offenbarte sich: Sewing steckt in dem gleichen Dilemma wie sein geschasster Vorgänger John Cryan. Dies zeigten die Reden des neuen Vorstandschefs und des Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner.

So ergoss sich der Chefkontrolleur – nach dem üblichen, pflichtschuldigen Lob – darüber, warum das Kontrollgremium den eigens als Sanierer nominierten Cryan vorzeitig wieder absetzte. Es seien zwar "gute Pläne" gefasst worden. Die seien jedoch nicht konsequent umgesetzt worden. "Es gab zu viele Ausnahmen von den guten Plänen, sodass am Ende die Ausnahme zur Regel wurde", formulierte es Achleitner beim Auftakt des Aktionärstreffen. Der Chefkontrolleur gerät ob seiner mäandernden Personalpolitik zunehmend selbst in die Kritik.


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Doch in der darauffolgenden Rede von Sewing räumte dieser praktisch selbst ein, dass er vor den selben Hürden wie sein Vorgänger stehen wird. "Eine Bank ist ein sensibler Organismus", sagte Sewing, "Wenn man hektisch oder getrieben agiert, vernichtet man schnell Werte. Und ich bin angetreten, um Werte zu schaffen." 

Gar nicht so ambitioniert
Doch bevor es so weit ist, wird erstmal kräftig weitergespart: Der von Sewing angekündigte Stellenabbau von 97.000 auf "unter 90.000" Mitarbeiter sorgte bereits im Vorfeld des Aktionärstreffens für Gesprächsstoff. Seit Cryan 2015 einen Stellenabbau ankündigte, sank die Zahl der Mitarbeiter von 103.000 auf nunmehr 97.000. Damit setzte er immerhin den Abbau von 6.000 der angepeilten 9.000 Jobs um. Über den bereits von Cryan eingeleiteten Abbau hinaus kommen dann unter Sewing unter dem Strich eigentlich "nur noch" weitere 4.000 Stellen hinzu, rechnet die "Süddeutsche Zeitung" vor.

Was Sewing in seiner Rede in den Vordergrund rückte, war die Konzentration auf Geschäfte mit stabilen Erträgen, wie etwa die Privat- und Firmenkundenbank sowie die Fondstochter DWS. Die Bedeutung des stark schwankenden und in Krisenzeiten lahmenden Handelsgeschäfts soll hingegen zurückgefahren werden. "Es wird uns nicht schaden, wenn wir ein bisschen langweiliger werden", resümierte Sewing. (ert/ps)