Auch nach drei Verlustjahren in Folge hält Marcus Schenk, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Co-Leiter des Bereichs Unternehmens- und Investmentbank bei der Deutschen Bank, das Geschäftsmodell des Geldhauses für tragfähig. Dies erklärt er in einem Doppel-Interview mit dem "Handelsblatt", das er gemeinsam mit Christian Sewing, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Co-Leiter des Bereichs Privat- und Firmenkundenbank, gegeben hat.

"Wir sind fest von der Strategie überzeugt", sagt Schenck. Der ursprüngliche Plan, sich von der Postbank zu trennen, sei aus heutiger Sicht der falsche Weg gewesen. Immerhin gewönnen derzeit vor allem Institute Marktanteile, die ein starkes Privat-und Firmenkundengeschäft haben. Den Schritt habe die Deutsche Bank, die in diesem Bereich noch weiter wachsen wolle, inzwischen korrigiert.

Nicht an der Strategie rütteln
Obwohl das Investmentbanking schwankungsanfälliger ist als das Privat- und Firmenkundengeschäft, will das Frankfurter Geldhaus hier künftig nicht weniger investieren. Der Grund: Das Investmentbanking erwirtschafte noch immer den deutlich größeren Teil der Erträge, erklärt Sewing. Für ihn sei klar, dass die grundsätzliche Ausrichtung der Bank stimmt. "An der Strategie sollten wir nicht rütteln", hält er fest.

Um die Höhe der Boni für das Jahre 2017 habe es im Vorstand und Aufsichtsrat vor einigen Wochen in der Tat kontroverse Diskussionen gegeben, räumt Schenck ein. "Wir mussten die Verhandlungen dieses Mal besonders intensiv führen, weil wir 2016 quasi eine Pause eingelegt hatten", sagt er. Vorstandschef John Cryan habe aber schon früh angekündigt, die Deutsche Bank werde 2017 zu ihrem bisherigen Modell der variablen Entlohnung zurückkehren.

Wettbewerbsfähige Boni
"Unsere Boni werden wettbewerbsfähig sein", sagt Schenck. Sein Institut wolle in Sachen variable Vergütung im Vergleich mit den zehn wichtigsten Konkurrenten weder am oberen noch am unteren Ende liegen. Genau diese Debatte sei geführt worden. "Uns ist wichtig, dass wir unsere Leute angemessen für das bezahlen, was sie geleistet haben", sagt Schenck. Das sei wie bei einem Fußballclub: "Wenn man mit um den Titel spielen will, dann muss man eben bestimmte Spieler halten oder holen", konstatiert der stellvertretende Vorstandschef.

Trotz roter Zahlen wieder mehr Geld an die Mitarbeiter auszuschütten, hält Schenck nicht für ein falsches Signal nach außen. Den Nettoverlust mache die Deutsche Bank nur, weil die US-Steuerreform das Institut einmalig zu Bewertungsanpassungen zwinge. "Hätte Präsident Donald Trump das Gesetz zwei Wochen später, also nach dem Jahreswechsel, unterschrieben, würden wir diese Diskussion gar nicht führen", erklärt Schenck.

Keine Übertreibungen mehr
Seit den Boni-Exzessen vor der Finanzkrise habe sich in der variablen Vergütung von Bankern vieles geändert, sagt Sewing. "Die Vergütung ist heute strikt reguliert. Die Auszahlung der Boni wird über bis zu fünf Jahre gestreckt", erklärt er. Auch was die Höhe angehe, seien die alten Zeiten endgültig vorbei. Dies gelte schon deswegen, weil Banker bestimmte Geschäfte wie den Handel auf eigener Rechnung nicht mehr machen dürften. "In der gesamten Branche ist das Niveau nach unten gegangen", sagt Sewing. (am)