Der Mischkonzern HNA hat seinen Gläubigern einen möglichen Zahlungsengpass in Höhe von 2,4 Milliarden Dollar offenbart. Die Liquiditätsituuation könnte im ersten Quartal prekär werden. Dies berichtet die Finanzinformationsdienst "Bloomberg". HNA habe wichtige Kreditgeber sowie Vertreter einer chinesischen Provinzregierung bei einem Treffen vergangene Woche über den finanziellen Engpass informiert.

Ein Insider sagte Bloomberg zufolge, im ersten Quartal müsse HNA mehr als zehn Milliarden US-Dollar an Schulden zurückzahlen. Im zweiten Quartal würde sich die Lage aber mit Hilfe von Veräußerungen voraussichtlich wieder entspannen. Der chinesische Konzern wollte sich Bloomberg zufolge nicht äußern. Das Konglomerat ist beim österreichischen Asset Manager C-Quadrat Mehrheitseigner und hält über diesen zudem 9,9 Prozent der Anteile an der Deutschen Bank.

Viele Übernahmen stemmen
Vor zwei Wochen hatte die HNA-Führung erstmals offen eingestanden, dass der Konzern klamm ist. Der Verwaltungsratschef Chen Feng sagte damals der Nachrichtenagentur "Reuters", das Liquiditätsproblem sei entstanden, weil das Unternehmen eine große Zahl von Fusionen und Übernahmen zu bewältigen hatte, das Marktumfeld schwieriger geworden sei und zudem die chinesische Wirtschaft nur noch relativ moderate Wachstumsraten erreiche. Etwa die Hälfte der börsennotierten Beteiligungen sind wegen erwarteter Mitteilungen zu Umstrukturierungen vom Handel ausgesetzt.

Undurchsichtige Struktur im Visier der Behörden
Das chinesische Konglomerat ist wegen seiner undurchsichtigen Eigentümerstruktur ins Visier der Behörden geraten. Während die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA die Übernahme von C-Quadrat genehmigte, lehnten die Aufseher in Neuseeland den Kauf von UDC Finance, einer Tochtergesellschaft der ANZ Bank, ab. Ihnen waren die Eigentümerverhältnisse bei HNA zu wenig transparent.

Die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank prüfen, ob sie ein Inhaberkontrollverfahren gegen die chinesische Holding einleiten sollen. Auch die deutsche Finanzaufsicht Bafin prüft, ob sich HNA bei der Beteiligung an der Deutschen Bank an die Meldepflichten hielt. In der Schweiz mussten die Chinesen bereits eine Gebühr zahlen.(ert)