22.02. | 2012

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UBS AM: "Kleinere Währungsräume sind als sichere Häfen gefragt"

Die Schuldenkrise der Industriestaaten ist aus den täglichen Meldungen nicht mehr wegzudenken. Es gibt aber einen Aspekt der staatlichen Schuldenproblematik, der bisher nicht im Mittelpunkt stand: erfüllen US-Dollar, Euro und Yen noch ihre Funktion als sogenannte Leitwährungen der Welt? Eine sich direkt anschließende Frage ist daher, wie Anleger ihre Währungsinvestments diversifizieren können. David Ric, Währungsexperte und Portfoliomanager bei UBS Global Asset Management, erläutert in einem aktuellen Beitrag die Hintergründe für die Risiken bei den drei Leitwährungen und welche Alternativen es zu ihnen gibt.

Der Kern des Problems liegt in der Geldpolitik der Notenbanken. „Die Zentralbanken vieler größerer Industriestaaten verfolgen geldpolitische Konzepte – wie zum Beispiel extrem niedrige Zinsen oder das Ausweiten der Geldmenge. Diese Ansätze schwächen in der Regel die eigene Währung. Außerdem sind viele dieser Länder in zunehmendem Maße auf ihren Export angewiesen, um Wachstum und Beschäftigung sichern zu können. Denn die heimische Nachfrage ist deutlich gesunken und fällt als Stabilisator aus“, erklärt Ric. Vor diesem Hintergrund sind die großen Währungen verwundbar geworden. Investoren, die deshalb ihr Währungsrisiko besser diversifizieren wollen, sollten gezielt in Währungen von Ländern investieren, die bessere fiskalische Rahmenbedingungen bieten.

Sieben Länder im Interessenfokus
Ric fokussiert bei seinen Investments derzeit auf Australien, Neuseeland, Kanada, Singapur sowie in Europa auf Norwegen, Schweden und die Schweiz, weil sich diese Länder eben durch besonders stabile fiskalische Rahmenbedingungen auszeichnen (siehe auch den Bericht von FONDS professionell über Skandinavien als „sichere Häfen“). Er achte bei der Länderauswahl aber nicht nur auf das Credit-Rating. Weitere Indikatoren, die zum Beispiel die Verteilung von Regierungs-, Bank- und Haushaltsverschuldung messen, werden ebenfalls berücksichtigt. Außerdem wichtig für die Beurteilung seien die laufenden Handelsbilanzüberschüsse oder –defizite, die Wachstumsrate der Länder sowie die Liquidität der Währung und des Markts für Kurzläufer.
 
Kleinere solide Industrienationen bleiben Währungshäfen
Auch für die Zukunft rechnet Ric damit, dass die kleineren, fiskalisch soliden Industriestaaten als sichere Häfen immer noch Kapital anziehen werden, weil viele Investoren die Schlüsselcharakteristika dieser Länder stärker zu schätzen wissen. Und das könnte erst der Anfang sein, wenn die Unsicherheit in den großen Industriestaaten – und damit auch bei deren Währungen – weiter andauern. Allerdings zeige die Geschichte auch, dass Währungen über lange Zeiträume hinweg von ihrem theoretischen fairen Wert abweichen können. So versucht die Schweizer Nationalbank den Franken gegen eine zu starke Aufwertung gegenüber dem Euro zu schützen. „Doch sollten sich die Aussichten für die Eurozone weiter verschlechtern und die Investoren weiterhin in sichere Währungen wie den Schweizer Franken drängen, dann rechne ich nicht damit, dass die Schweizer Nationalbank in der Lage ist, den Franken vor einer Aufwertung über das aktuelle Ziel hinaus zu schützen“, schließt der UBS-Experte. (jb)

Quelle:FONDS professionell

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Antworten

Und wenn sich die Aussichten verbessern?

von vriegel am 23.02.12, 10:36

Was, wenn sich die Aussichten der Eurozone verbessern? Und dafür gibt es ja durchaus auch Anzeichen.

In dem Fall dürfte man mit Währungsspekulationen auch gerne mal empfindliche Verluste einfahren. Zumal man bedenken sollte, dass insbesondere die genannten europäischen "sicheren Häfen", alles andere als sicher sind. So sind bspw. in Norwegen die Gelder des Staatsfonds zu 35 - 40 % in Staatsanleihen der Eurozone investiert. Und die Norweger selbst sind als Privatleute Schuldenkönige. Die private Verschuldung liegt über 200 % des BIP's.

Zudem haben sich dort die Immobilienpreise seit 1992 versechsfacht(!!)Man kann hier durchaus von einer Immobilienblase sprechen.

Würde sich die Eurokrise zu einem crash ausweiten - die Wirtscahft und wohl auch die Währungen der sog. "sicheren Häfen" wären ebenfalls stark in Mittleidenschaft gezogen.

Wer in Deutschland lebt, für den ist auf mittlere und lange Sicht immer der Euro der sicherste Hafen. Zur Diversifizierung größerer Vermögen kann es natürlich Sinn machen in das Produktivkapital anderer Länder zu investieren. Das Währungsrisiko sollte dann aber aktiv gemanagt werden.