PEH: "Inflation ist der schwarze Schwan der nächsten Jahre"

Martin Stürner
Die Experten der PEH Wertpapier wechselten in den letzten Wochen ins Bullenlager, sind für Aktien sehr optimistisch und erhöhten die Aktienquoten in ihren verwalteten Portfolios von rund 30 Prozent auf ein Niveau zwischen 80 und 100 Prozent. Die Gründe für diese optimistische Sichtweise präsentierte Martin Stürner, Vorstandsvorsitzender der PEH Wertpapier AG, auf einer Presseveranstaltung diese Woche in Wien.
Reichlich Liquidität
Auch wenn Griechenland und Portugal weiterhin die großen Sorgenkinder bleiben und ein Euro-Austritt Griechenlands kein Tabuthema mehr sei, konnten risikobereite Investoren in den ersten Januarwochen dieses Jahres ordentliche Renditen erzielen: Eine reichliche Liquiditätszufuhr in Verbindung mit einer anhaltenden Niedrigzinspolitik der westlichen Notenbanken sorgte bei italienischen Staatsanleihen für einen Kurssprung von rund zehn Prozent und Zugewinne bei den Aktienindizes.
Dafür verantwortlich waren laut Stürner auch die extrem niedrigen Aktienquoten institutioneller Investoren im zweiten Halbjahr 2011, die per Jahresanfang etwas erhöht wurden. Rückenwind erhalten die Märkte von guten Unternehmensergebnissen sowie von Auftragseingängen der US-Industrie, die sich einem Rekordniveau nähern. „Der Realwirtschaft geht es gut, es handelt sich daher um eine Staatsschuldenkrise und nicht um eine Wirtschaftskrise. Im Unterschied zu den Krisenjahren 2007/08 sind die Unternehmen besser finanziert und eine Angst vor einem Credit Crunch ist unbegründet“, erläuterte Stürner. Unterstützend wirken einerseits Aktienrückkäufe von US-Unternehmen (allein 2011 wurden um 400 Milliarden US-Dollar eigene Aktien zurückgekauft) sowie andererseits sinkende Arbeitslosenzahlen in den USA in Verbindung mit einem steigenden Konsumentenvertrauen.
Strukturreformen sollten Wende bringen
Eine fallende Arbeitslosenrate ist auch in Deutschland zu verzeichnen, diese ist (abgesehen von einem Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung) das Ergebnis von Strukturreformen der ehemaligen Rot/Grün-Regierung unter Gerhard Schröder („Agenda 2010“). An dieser Strukturreform sollten sich die Länder Südeuropas ein Beispiel nehmen, Italiens neuer Premierminister Mario Monti sei der richtige Mann für die Maßnahmenumsetzung – bis zum Wirksamwerden müsse jedoch Geduld aufgebracht werden.
Probleme werden gelöst
Als „beste Botschaft“ sieht Stürner den Umstand, dass die Märkte auf negative Botschaften wie Bonitätsherabstufungen von Staaten seitens der Ratingagenturen kaum (oder nicht mehr lang) negativ reagieren und in Folge sogar mit Kursanstiegen antworten. Stürner: „Es ist schon viel Pessimismus eingepreist.“ Massive Unterstützung kommt von den EZB-Tendern. Nach einem Tender von rund 500 Milliarden Euro letzten Dezember kommt der nächste Tender in unbestimmter Höhe Ende Februar 2012. Dabei können sich Banken bei der EZB unlimitiert Geld um ein Prozent auf drei Jahre ausborgen. Die erhaltenen Milliardenbeträge investieren die Geldhäuser in (dreijährige) Staatsanleihen der Peripherie, die Renditen von weit mehr als einem Prozent bieten. Durch diese Zinsspanne können die Banken hohe Gewinne erzielen und dadurch ihre Bilanzen sanieren. Zusätzlich fördern diese Tender die Nachfrage nach Staatsanleihen und gleichen die negativen Effekte eines austrocknenden Geldmarkts aus. „Der Super-GAU wird nicht passieren“, meinte Stürner und erklärte, dass Schulden an sich kein Problem darstellen, solange die Gläubiger an eine verlässliche Rückzahlung glauben würden. Die weiter wachsenden Staatsschuldenberge sollten nach Einschätzung Stürners durch eine höhere Inflation „weginflationiert“ werden und könnten Teil des Lösungspakets sein.
Ein schwarzer Schwan im Anflug
Eine Gefahr, die in letzter Zeit aus den Schlagzeilen verschwand und auch in den Anlageausschusssitzungen institutioneller Investoren kaum mehr thematisiert wird. Zu Unrecht, meint Stürner: „Inflation ist der schwarze Schwan der nächsten Jahre!“ Einen Vorgeschmack geben einerseits steigende Löhne in den Produktionsbetrieben der Emerging Markets (in China und Indien soll es Zuwächse zwischen 20 und 30 Prozent geben), andererseits auch die deutschen Großhandelspreise, die weiter deutlich ansteigen und damit eine wachsende Inflation in Deutschland wahrscheinlicher machen. Sofern es den Unternehmen gelingen sollte, diese Preiserhöhungen auf die Konsumenten abzuwälzen, sind Aktien als Sachwerte in Zeiten höherer Inflation zukünftig ein besseres Investment als festverzinsliche Rentenpapiere mit Ausnahme inflationsgeschützter Anleihen.
Warum gerade jetzt Aktien kaufen?
Für Aktien sprechen eine aktuelle attraktive Bewertung (Kurs-Gewinn-Verhältnisse unter dem langjährigen Durchschnitt, hohe Gewinnmargen) sowie die Untergewichtung von Dividendenpapieren in den Portfolios institutioneller Investoren. Vor allem eine Analyse des Zyklus der 10-Jahres-Renditen für Aktien signalisiert ein markantes Erholungspotenzial: Auf Sicht von zehn Jahren war sowohl beim MSCI-World als auch beim DAX nicht viel zu gewinnen. „Hinter uns liegt ein verlorenes Jahrzehnt für die Aktienmärkte – die Chancen stehen gut, dass diese Phase der Unterbewertung zu Ende geht.“ Die Chancen dafür sind, wenn man der Historie Glauben schenken darf, durchaus gut: Ein ähnliches Umfeld gab es Ende der Siebziger Jahre, das den Auftakt für einen zwanzigjährigen Bullenmarkt bot. (aa/dw)
Veranstaltungstipp
Verpassen Sie nicht die PEH Wertpapier AG auf dem FONDS professionell KONGRESS am 7. und 8. März 2012 in Wien: Martin Stürner, Vorstandsvorsitzender der PEH, wird über das Thema „Liquider Inflationsschutz“ referieren. Sichern Sie sich gleich Ihr Ticket für die Veranstaltung, die Zahl der Teilnehmer pro Tag ist begrenzt.
Hier geht’s zur Kongress-Anmeldung.
Quelle:FONDS professionell
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