Weihnachtszeit ist Prognosezeit. Besonders beliebt: die Vorhersage, wo der Dax in einem Jahr steht. "Nur wer das nicht mit 'im Wald' kontert, sondern eine beliebige Zahl zwischen 5.000 und 15.000 ausspuckt, qualifiziert sich für die nächste Runde", sagt Christian Röhl, Gründer der unabhängigen Research-Plattform Dividendenadel. Geht es um Ausschüttungen von Unternehmen, hält er Vorhersagen sogar für schädlich: "Da kann der Blick in die Glaskugel böse Folgen haben. Prominente Ausfälle dieses Jahres sollten Warnung genug sein, den Schätzungen zu misstrauen."

Vor zwölf Monaten galt es etwa unter Analysten als ausgemachte Sache, dass der Energieriese RWE im Jahr 2016 eine Dividende in Höhe von 50 Cent je Aktie zahlen würde. "RWE kam damit zeitweise auf eine erwartete Dividendenrendite von über fünf Prozent, was in den meisten Rankings für einen Spitzenplatz reichte", erinnert sich Röhl – bis zum 17. Februar, als der Konzern verlauten ließ, dass die Ausschüttung gestrichen wird.

Heute hui, morgen pfui
Immer wieder werden vermeintliche Dividendenstars über Nacht zu Rohrkrepierern. So hatte kaum ein Investor mit den Ausfällen bei der Deutschen Bank und bei Bilfinger gerechnet. "Auch 2017 dürfte es wieder ein paar böse Überraschungen geben", ist Röhl überzeugt. Dividendenprognosen sind nichts weiter als Stochern im Nebel, warnt er. "Bei zuverlässigen Zahlern spielt es dagegen kaum eine Rolle, ob man auf Nummer sicher geht und mit der 2016 gezahlten Ausschüttung rechnet oder ob man auf eine Schätzung für 2017 zurückgreift."

Hinzu kommt: Eine hohe Dividendenrendite ist nicht per se ein Qualitätsmerkmal, sondern kann ebenso gut ein Signal für gefallene Aktienkurse sein. "Ob ein Einstieg lohnt, lässt sich erst abschätzen, wenn man auch Kontinuität, Ausschüttungsquote und Dynamik unter die Lupe genommen hat", sagt Röhl. (fp)