Die Länder-Präferenzen der Staatsfonds (Sovereign Wealth Funds, SWF) verlagern sich. Statt Investitionen in den USA und Europa stehen immer häufiger Engagements in die in die Wirtschaftsräume des Nahen Ostens und Asiens im Nahen Osten und in Asien auf der Agenda. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Beratungs- und Consulting-Unternehmen Monitor Group.

Aus der für April bis Juni 2008 geltenden Quartalsanalyse der globalen Staatsfonds-Investitionen geht hervor, dass die Fonds sich lieber auf den Aufbau von Chancen in potenziell lukrativen Schwellenländermärkten im Nahen Osten uns Asien fokussieren, statt den derzeitigen Konjunkturabschwung in den USA und Europa zum Einstieg zu nutzen. Insgesamt summieren sich die Investitionen in diesen Schwellenländer-Regionen auf 68 Prozent des Gesamtwerts aller öffentlich gehandelten Transaktionen in diesem Zeitraum.

Die jüngste Analyse der Monitor Group ist eine Aktualisierung ihres Berichts vom Juni 2008: "Assessing the Risks: The Behaviors of Sovereign Wealth Funds in the Global Economy" (Beurteilung der Risiken: Das Verhalten von Staatsfonds in der globalen Wirtschaft), in welcher Monitor die Daten von 17 ermittelten Staatsfonds erfasste und analysierte. Dabei zeigte sich unter anderem auch, dass die Fonds ihre Präferenzen auch im Hinblick auf Sektoren modifizieren und den Schwerpunkt zunehmende auf Immobilien legen, während sie sich aus Finanzdienstleistungen zurück ziehen. Zu den wichtigsten Ergebnissen der neuesten Analyse gehören konkret die folgenden 5 Punkte:

-     Im zweiten Quartal 2008 (Q2 2008) führten die in der SWF-Transaktionsdatenbank von Monitor aufgeführten Fonds 43 Transaktionen im Wert von insgesamt 26,5 Milliarden US-Dollar aus. Im vorigen Quartal (Q1 2008) führten diese Fonds dagegen 42 Transaktionen im Wert von insgesamt 58,3 Milliarden US-Dollar aus.

-     Die Staatsfonds investierten weiterhin aktiv in Schwellenmärkten. Im Q2 2008 fanden mehr als die Hälfte der Transaktionen und Investitionen in Schwellenmärkten statt. In BRIC und nicht-OECD-Ländern schlossen die Staatsfonds 26 Transaktionen ab und investierten 15 Milliarden US-Dollar.

-     Die Investitionen in Nordamerika gingen jedoch dramatisch zurück. Im Q2 2008 fanden in Nordamerika vier Transaktionen im Wert von insgesamt weniger als einer Milliarde US-Dollar statt. Dagegen erhielt diese Region im vorigen Quartal (Q1 2008) sieben Transaktionen im Wert von insgesamt 23 Milliarden US-Dollar.

-     Nach dem Wert gemessen erfolgte die Hälfte der Abschlüsse im Q2 im Immobiliensektor. Der Immobiliensektor hatte im Q2 2008 die größte Anzahl von Transaktionen (12) und den höchsten Investitionswert (13,7 Mrd. US-Dollar) aufzuweisen.

-     Im zweiten Quartal 2008 ging die Investitionstätigkeit in Finanzdienstleistungen stark zurück. Im Finanzdienstleistungssektor schlossen Staatsfonds im Q2 2008 10 Transaktionen ab und investierten 4 Milliarden US-Dollar. Im vorigen Quartal (Q1 2008) wurden von den Fonds noch 13 Transaktionen im Wert von insgesamt 43,4 Milliarden US-Dollar abgeschlossen.

"Unsere Transaktionsdaten zeigen, dass die Staatsfonds sich bei den jüngsten Kapitalinvestitionen aus volatilen geografischen Märkten und Sektoren, wie Nordamerika und Finanzdienstleistungen, zurückziehen und sich stattdessen attraktiveren Renditen in Schwellenmärkten und anderen Sektoren zuwenden, beispielsweise Immobilien", sagt William Miracky, Senior Partner der Monitor Group.

Bei der Aktualisierung der Studienergebnisse zeigte sich, dass von den 17 Staatsfonds, die einst ermittelt wurden, im 2. Quartal 2008 nur neun öffentlich bekannt gegebene Transaktionen abgeschlossen hatten. Der Wert dieser Transaktionen war dabei relativ gleichmäßig auf Fonds im Nahen Osten und im Asien-Pazifik-Raum aufgeteilt. Die fünf Fonds des Nahen Ostens schlossen im zweiten Quartal 2008 insgesamt 25 Transaktionen mit einem Berichtswert von 13,5 Milliarden US-Dollar ab, das heißt, 51 Prozent der Gesamtaufwendungen der Staatsfonds in dem Quartal. Die vier Fonds des Asien-Pazifik-Raums schlossen 20 Transaktionen mit einem Berichtswert von 12,9 Milliarden ab. (ir)