Bekanntlich finden seit Dienstag in den Geschäftsräumen der Deutsche S&K Sachwert AG in Frankfurt (S&K) sowie von Tochter- oder Partnerunternehmen wie DCM oder United Investors staatsanwaltliche Durchsuchungen – unter anderem wegen des Verdachts des Kapitalanlagebetruges – statt (FONDS professionell ONLINE berichtete). Nach Ansicht von Rechtsanwalt Norman Wirth werde mit Sicherheit auch in diesem Fall oftmals der Weg des geringsten Widerstandes genommen und Vermittler müssen damit rechnen, mit vermeintlichen Schadenersatzforderungen konfrontiert zu werden.
 
"Oft sehr gute Erfolgsaussichten für den Vermittler"
Laut Wirth sollten sich Vermittler von Drohgebärden selbsternannter "Anlegerschutzanwälte" nicht beeindrucken lassen: "Aus unserer Erfahrung in solchen Fällen wissen wir, dass bei entsprechend fachkundiger Prozessführung durch einen versierten Rechtsanwalt oft sehr gute Erfolgsaussichten für den Vermittler bestehen." Insbesondere obliege dem Anleger beispielsweise die volle Beweislast für eine nicht hinreichende Risikoaufklärung sowie eine unterlassene oder nicht rechtzeitige Prospektübergabe. Die Frage der Offenlegung der Provision durch unabhängige Finanzdienstleister sei bekanntlich durch den Bundesgerichtshof auch bereits – zugunsten der unabhängigen Vermittler – geklärt worden.

Grundsätzlich keine Haftung
Der Berliner Anwalt rät Vermittlern, welche sich direkt mit Ansprüchen ihrer Kunden konfrontiert sehen, unbedingt anwaltlichen Rat einzuholen. Für eventuelle strafbare Handlungen von Verantwortlichen würden Vermittler grundsätzlich nicht haften. Eine Haftung käme lediglich in Frage, wenn sie gegen bestimmte Aufklärungs- oder Plausibilitätsprüfungspflichten gegenüber dem Kunden verstoßen hätten. Ob dies der Fall sei, könne nicht allgemein, sondern nur im konkreten Einzelfall beurteilt werden.

Keine Rechtsberatung oder persönliche Stellungnahme
Im Kontakt mit den Kunden sollte betroffene Vermittler weder rechtsberatend tätig werden noch eine persönliche Stellungnahme zur der derzeitigen oder zukünftig möglichen Situation dem Kunden gegenüber abgeben. In jedem Fall sollte der Vermittler bemüht sein, weiterhin das bisherige Vertrauensverhältnis zu seinen Kunden bestehen zu lassen. Für Fragen der Kunden sollte man erreichbar sein und diese – soweit möglich – sachlich beantworten. "Mehr aber auch nicht. Und unbedingt Vorsicht vor gemeinsamen Aktions- oder Interessengemeinschaften von Anlegern und Vermittlern. Der Interessenskonflikt ist vorprogrammiert!", warnt Wirth. (mb)