Die Hypovereinsbank (HVB) muss sich womöglich bald juristisch mit einer 82-jährigen Kundin auseinandersetzen. Grund dafür ist ein Beratungsgespräch, in dem es offensichtlich zu einem großen Missverständnis gekommen ist, wie der "Bayerische Rundfunk" (BR) berichtet. Die Bank teilte FONDS professionell ONLINE auf Anfrage nur mit, dass man sich aufgrund des Bankgeheimnisses zu einzelnen Kunden nicht äußern könne.

Dem Bericht des BR zufolge hatte die Rentnerin vor zwei Jahren in einer HVB-Filiale ein neues Konto eröffnen und darauf ihr Erspartes in Höhe von etwa 100.000 Euro einzahlen wollen. In dem kurzen Beratungsgespräch habe man ihr aber kein Konto, sondern eine Lebensversicherung – konkret: eine Sofortrente der Ergo – vermittelt. Dies habe sie aber erst später beim Lesen von Kontoauszügen gemerkt. Zwar habe sie die Beratungsdokumente unterschrieben, aber offenbar ohne diese vorher zu studieren. Ihre Begründung: Es sei in der Filiale zu dunkel gewesen.

Vergebliche Hilfegesuche
In ihrer Ratlosigkeit wandte sich die Rentnerin daraufhin an die Finanzaufsichtsbehörde Bafin und auch an den Versicherungs-Ombudsmann. Ihr Ziel: Den Vertrag rückgängig zu machen, was die Ergo dem BR zufolge jedoch ablehnt. "Wir entsprechen Rückzahlungsforderungen in Falschberatungsfällen dann, wenn wir zweifelsfrei im Rahmen einer Einzelfallprüfung begründete Rückforderungsansprüche feststellen", erklärte ein Sprecher der Ergo laut dem Online-Branchenportal "Versicherungsbote.de". Die Rentnerin argumentiert laut BR, sie habe gar keinen Versicherungsschein erhalten. Der Versicherer widerspricht dem: Der Schein sei ihr sehr wohl über die Bank zugegangen. Hier steht laut BR also Aussage gegen Aussage.

Nachdem ihr weder die Schlichtungsstelle noch die Bafin weiterhelfen konnten oder sich für nicht zuständig erklärten, suchte die betagte Dame zuletzt Hilfe bei der Verbraucherzentrale Bayern – bislang ebenfalls ohne Erfolg. Daher wolle sich die Renterin nun einen Anwalt nehmen, so der BR. Gut möglich also, dass dieses Beratungsgespräch letzlich vor einem Richter landet. (jb)