Die Hysterie, ausgelöst von einer Randnotiz in einem umfangreichen und äußerst interessanten IWF-Papier, zeigte ungeschminkt, wie Medien heute funktionieren. Aus dem Satz "The tax rates needed to bring down public debt to precrisis levels ... would require ... a tax rate of about 10 percent on households with positive net wealth" (Um die Staatschulden auf Vorkrisenniveau zu senken, müsste man Haushalte mit positivem Nettovermögen mit zehn Prozent besteuern) wurde bei der Bild-Zeitung "IWF-Chefin plant: 10 Prozent Krisen-Steuern auf ALLES". Auch ernsthaftere Medien sprachen von geplanter "Enteignung", wobei schon der Begriff im Zusammenhang mit einer Steuer wenig sinnvoll ist, denn so betrachtet wäre ja jede Steuer eine Enteignung. In der Aufregung über diese – ja nicht einmal im Entferntesten tatsächlich drohende – Enteignung, haben sich leider die wenigsten die Frage gestellt, ob es denn funktionieren könnte.

Das Angebot, dass jeder Bürger, der über eine Nettovermögen verfügt (laufende Kredite müssten hier von Guthaben abgezogen werden), durch die einmalige Zahlung von zehn Prozent dieses Kapitals sicher sein könnte, dass er um die restlichen 90 Prozent keine Angst mehr haben müsste, ist keineswegs unattraktiv. Die seit Jahren beobachtbare Flucht in Immobilien und Edelmetall zeigt uns ja deutlich, dass diese Angst ein Thema ist. Dabei sollte man nicht ganz vergessen, dass man diese zehn Prozent angesichts der Null-Zinsen bei etwa zwei Prozent offizieller Inflation ohnedies binnen weniger Jahre verliert – ohne dabei jedoch die Gewissheit zu haben, dass wenigstens der Rest des Vermögens in Sicherheit ist.

Hätte man dagegen die Möglichkeit, Europas Staatsschulden auf Vor-Krisen-Niveau zu senken, bestünde zumindest auch die Chance, eine Normalisierung der Zinslandschaft zuzulassen, wodurch auch die Sondersteuer binnen weniger Jahre zurückverdient werden könnte.

Nüchtern betrachtet wäre die vom IWF angedachte Einmalzahlung also durchaus eine Option, über die man nachdenken könnte. Allerdings liegt die Betonung auf "könnte", denn es gibt ein extrem gutes Argument dagegen: Die Misswirtschaft des Staates. Man muss leider davon ausgehen, dass die Politik wieder mit vollen Händen Geld ausgibt, das sie nicht hat und auch niemals haben wird, sobald ihr bzw. uns das Wasser nicht mehr Oberkante-Unterlippe steht.

Es war zwar die Finanz- und Bankenkrise, die das Fass überlaufen ließ, hätten die Staaten davor aber solider gewirtschaftet, wären sie dadurch nicht an den Rand des Bankrotts bzw. darüber hinaus getrieben worden.
 
Die Schuldenkrise, in der wir uns befinden, ist eine Krankheit, und wie bei einer Krankheit wäre es falsch die Symptome mit einem Medikament (Sondersteuer) zu unterdrücken. Wenn die Wirkung des Medikaments nachlässt, kehren auch die Kopfschmerzen zurück. So wie bei einer Krankheit müssen bei der Schuldenkrise die Ursachen bekämpft werden und das ist leider deutlich schwieriger als eine zehnprozentige Sondersteuer einzuheben.