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Franken-Kredite: "Berater sollten systematisch vorgehen"

Im Interview mit FONDS professionell ONLINE gibt Infina-Chef Christoph Kirchmair Tipps im Umgang mit Kunden, die auf problematischen Franken-Krediten sitzen – und erläutert, wie er die Chancen einer weiteren Euro-Erholung einschätzt.

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Christoph Kirchmair, Infina: "Je höher Reserven und Risikofreude, desto eher kann man eine unerfreuliche Entwicklung aussitzen."

Der Euro hat sich in den letzten Monaten zwischen 1,08 und 1,09 Franken eingependelt. Eine FONDS professionell ONLINE-Blitzumfrage unter den wichtigsten Banken im deutschsprachigen Raum zeigt, dass in den nächsten Monaten im Durchschnitt tendenziell von einer weiteren, wenn auch moderaten Erholung des Euro ausgegangen wird. Für Christoph Kirchmair, Geschäftsführer von Infina, ist das ein eher unrealistisches Szenario. Ein Jahr nach dem "Frankenschock" berichtet der Kreditmakler im Interview über seine Erfahrung aus der Praxis.

Herr Kirchmair, der Euro hat sich nach dem Schock vom 15. Jänner 2015 zwischen 1,08 und 1,09 Franken eingependelt. Wie schätzen Sie die Chance auf eine weitere Erholung ein?

Christoph Kirchmair: Der Franken war und ist eine politisch gesteuerte Währung. Ein Indiz dafür, dass die Schweizer Nationalbank auch nach dem 15. Jänner 2015 kräftig intervenierte, ist, dass ihre Devisenreserven bis November auf 587 Milliarden Franken oder 91,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gestiegen sind. Der Euro-Anteil liegt bei mehr als 40 Prozent, was für die Volkswirtschaft enorme Verlustpotenziale bedeutet.

Wie lange wird dies die Schweizer Nationalbank noch durchhalten? 
 
Kirchmair: Der Franken ist eine klassische Hartwährung mit Aufwertungstendenz. Seit 1980 wertete er gegenüber dem Euro respektive der Europäischen Währungseinheit Ecu rund 2,2 Prozent per annum auf. Weiter verstärkt es den Aufwertungsdruck, wenn Schweizer Unternehmen ihre Einnahmen in Fremdwährung sofort wieder in Franken konvertieren. Auch ist die befürchtete Wirtschaftskrise in der Schweiz weitgehend ausgeblieben. Die Schweizer Wirtschaft hat gelernt, mit einer starken Währung zu leben. Schweizer Qualitätsprodukte werden trotz höherer Preise im Ausland weiterhin nachgefragt. Diese Fakten sprechen langfristig für einen festen Franken. Kurzfristig hingegen können keine seriösen Prognosen erstellt werden. Mittelfristig sind natürlich auch Bereiche der Schweizer Wirtschaft durch den harten Franken benachteiligt – denken wir dabei nur an den Tourismus. Per Saldo halten sich die Chancen auf eine weitere Erholung des Euro wohl eher in Grenzen, was auch ein wenig an der Konstruktion des Euro liegt.
                                   
Welche möglichen Impulse könnten dem Euro helfen?

Kirchmair: Starke Konjunkturimpulse aus dem Euroraum, die die EZB veranlassen würden, keinerlei weitere geldpolitisch expansiven Schritte mehr vorzunehmen. Theoretisch ist das möglich, doch in der Praxis wohl eher das unrealistischere Szenario, zumal die globale Konjunkturabkühlung auch Europa betreffen wird.

Was sollten Berater tun, deren Kunden auf problematischen Krediten sitzen?

Kirchmair: Berater sollten systematisch und ganzheitlich vorgehen: Zuerst muss der "historische Gesamterfolg der Finanzierung", sprich Zinsersparnis minus Wechselkursverlust plus/minus Tilgungsträgerentwicklung unter Berücksichtigung der Konvertierungshistorie ermittelt werden. Dazu verfügen wir über ein einschlägiges Rechentool mit spezifischen Funktionalitäten. Dann unterzieht man die Chancen auf eine zukünftig positive Entwicklung einem kritischen Realitätscheck und überprüft gleichzeitig die individuellen Entscheidungsparameter der Kunden. Wie zum Beispiel, über welches Einkommen beziehungsweise welche freien Reserven wie Sparguthaben, Wertpapiere, Lebensversicherungen, vermietete Immobilien der Kunde verfügt. Neben der Einkommensentwicklung und etwaigen Erbansprüchen ist aber vor allem die derzeit gegebene persönliche Risikofreude des Kunden für die Entscheidungsfindung ausschlaggebend.

Welche Möglichkeiten gibt es in weiterer Folge?

Kirchmair: Je höher Reserven und Risikofreude, desto eher kann man eine unerfreuliche Entwicklung aussitzen. Vor allem, wenn die Restlaufzeit von Finanzierung und Tilgungsträger noch lange genug ist und durch eine laufende Ansparung auch Durchschnittseffekte erzielt werden können. Wer hingegen vorsichtig ist und mit seinem Geld haushalten muss, wird eine defensivere Entscheidungsalternative wie die saldoreduzierende Veräußerung des Tilgungsträgers und Umstellung der Rückzahlungsmodalitäten von endfällig auf eine Tilgung in monatlichen Pauschalraten wählen. Vorteil: kein Börsenrisiko mehr und gleichzeitig wird das verbleibende Frankenrisiko schrittweise reduziert. Die konkrete Entscheidung hängt allerdings auch vom jeweiligen Tarif und der bisherigen Laufzeit des Tilgungsträgers ab, da es sich häufig um eine Fondsgebundene Lebensversicherung handelt.

Bereits zwei Urteile haben bestätigt, dass eine einseitig festgesetzte Zinsuntergrenze bei Fremdwährungskrediten von Seiten der Bank unzulässig ist. Welche Auswirkungen haben diese Urteile auf die vielen heimischen Kreditnehmer, die sich in Schweizer Franken verschuldet haben?

Kirchmair: Sollte die Bank eine einseitige Untergrenze (Floor) eingezogen haben, sollten Kunden auf Empfehlung des VKI (Verein für Konsumenteninformation) in einem Schreiben auf die entsprechenden Gerichtsurteile hinweisen und dagegen Einspruch erheben. Doch endgültig rechtskräftig sind diese Urteile erst mit einer OGH-Entscheidung, die bis dato noch aussteht. Allerdings sieht es aktuell so aus, als wäre diese einseitige Vorgehensweise der jeweiligen Banken jedenfalls bei Verbrauchern gröblich benachteiligend und damit unzulässig.

Die Verluste in Folge der massiven Franken-Aufwertung im Vorjahr wurden durch unwirksame Limitaufträge noch verschärft. Haben die Banken Ihrer Kunden Kulanz walten lassen?

Kirchmair: Bis dato beschränkt sich die Kulanz der Banken auf Einzelfälle und außergerichtliche Vergleichsvereinbarungen, so die aktuellen Beobachtungen aus der Praxis. Schließlich wurde aber die der Absicherung gedachte Stop-Loss-Funktion zum Brandbeschleuniger. Es ist also schon sehr wahrscheinlich, dass man mit seiner Bank eine gemeinsame Lösung findet. Wirksam ist meist ein klärendes Gespräch mit der zuständigen Bank und bei unzureichendem Erfolg die Inanspruchnahme professioneller Unterstützung durch einen Experten.

Danke für das Gespräch. (dw)

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