Da kann der Puls schon mal hochgehen: Nach einer Viertelmillion Euro im Frühjahr erhielt Julian Juen für sein Lifestyle-Getränk "Kaahée" im September und Oktober eine Dreiviertelmillion Euro von Mikroinvestoren. Beide Finanzierungskampagnen liefen über die Crowdinvesting-Plattform Conda, die Platzierung im Herbst war in nur 50 Tagen abgeschlossen. "Nicht zuletzt durch die neuen Rahmenbedingungen des neuen Crowdinvesting-Gesetzes sind neue Dimensionen möglich", freut sich Conda-Geschäftsführer Daniel Horak.

Das neue Gesetz und solche Erfolge im Fundraising geben der jungen Crowdinvesting-Branche viel Auftrieb. Sie öffnet sich nicht nur für Gründer und Unternehmer, sondern auf der Anlegerseite auch schrittweise für Vermögensberater. Bislang gab es diesbezüglich hauptsächlich Ankündigungen. Inzwischen wird konkret, welche Plattformen die aktive Zusammenarbeit suchen und wie die Rahmenbedingungen dafür aussehen.

On- oder offline?
Es gibt im deutschsprachigen Raum zwei Fraktionen: Puristen möchten nicht mit externen Vertrieben zusammenarbeiten, weil das grundsätzlich im Widerspruch zur Ursprungsidee steht, die Crowdinvesting als rein internetbasiertes Geschäft versteht. Die andere Gruppe sieht das nicht so eng und erweitert ihre Absatzkanäle um freie Berater, Family Offices, Vermögensverwalter und Privatbanken. FONDS professionell hat eine Übersicht zu Plattformen erstellt, aus der hervorgeht, ob und wie die österreichischen Plattformen mit Vertriebspartnern zusammenarbeiten beziehungsweise planen, dies zu tun. Die Aufstellung zeigt auch, dass die Konditionen stark voneinander abweichen und dass noch vieles im Fluss ist.

Vermögensberater gesucht
Eine Premiere in doppeltem Sinn feierte die Wiener Plattform Conda im November. Sie hat ihr erstes Projekt auf den Markt gebracht, das gezielt auf beiden Kanälen angeboten wird: über das Internet und über die Zenith Vermögensberatung in Linz. Und dafür gibt es erstmals einen geprüften und von der Finanzmarktaufsicht gebilligten Kapitalmarktprospekt, der ein Emissionsvolumen von bis zu 2,5 Millionen Euro vorsieht.

Auffallend offensiv wirbt auch die Plattform Regional Funding nicht nur um Partner für die Investorenakquisition, sondern auch um Wirtschaftstreuhänder, Steuer- und Unternehmensberater, die Kapital suchende Projekte an Land ziehen. "Durch unser offenes System ist es ihnen möglich, ihre Klienten aktiv bei der Kapitalsuche selbst zu begleiten und bei der Erstellung der Emissionsunterlagen zu unterstützen", erklärt Wolfgang Pröglhöf, Geschäftsführer von Regional Funding. Er ist davon überzeugt, dass die drei Berufsgruppen damit nicht nur Geld verdienen, sondern auch ein Image gewinnen, indem sie ihren Klienten neue Finanzierungsmöglichkeiten eröffnen.

Vermögensberater, die auf Provisionsbasis arbeiten, sollen die Internetplattform von Regional Funding anstelle von Papierunterlagen als Akquisitionsunterstützung nutzen, aber direkt mit den Emittenten eine Vereinbarung hinsichtlich der Anlegerakquisition treffen. "Und Honorarberater können und sollen ihren Klienten beim Wunsch nach alternativen Veranlagungen entsprechende Ergänzungen zum Portfolio vorschlagen", betont Pröglhöf.

Doppelstrategie
Einen eigenen Pfad beschreitet die Plattform "dasertragreich.at" des früheren Bankers Martin Watzka. Er bespielt grundsätzlich immer den Online- und den Offline-Vertrieb. Das bedeutet: Zu jedem Projekt gibt es immer zwei Tranchen, von denen eine exklusiv für die angeschlossenen Vermögensberater verfügbar ist. "Es gibt auch Investments, die wir nur über Finanzberater platzieren", ergänzt Watzka, der die Ansicht vertritt, dass Crowdinvesting bei Anlageprodukten und Absatzkanälen die Evolution bestehender Dinge ist. "Wir bauen einen Bogen von der alten Offline- zur neuen digitalen Welt", betont der 41-Jährige. (ae)


Den vollständigen Artikel sowie eine Tabelle mit den wichtigsten Crowdinvesting-Plattformen die mit Vermögensberatern zusammenarbeiten finden Sie in der neuen Heftausgabe 4/2015 von FONDS professionell, die Ende November erscheint.