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DekaBank: "Wähler entscheiden über die Zukunft des Euro"

Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt DekaBank
„Euroland will den Euro behalten, deshalb wird es seine Probleme in den Griff bekommen.“ Auf diese einfache Formel bringt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, seine Analyse der europäischen Staatsschuldenkrise. Auf dem traditionellen „Katerfrühstück“ in Wien räumte der Ökonom mit wesentlichen Missverständnissen auf, die im Bezug auf die Gemeinschaftswährung bestehen. Den größten Gefahrenherd ortet Kater im öffentlichen Widerstand gegen die politische Elite. „Letztendlich werde über die Zukunft des Euro in den südeuropäischen Wahlkabinen entschieden.“ Kater warnte schließlich davor, bei Anlagethemen „die Risiken aus dem Auge zu verlieren“. Im Fahrwasser der Krise rücken reale Investments zunehmend in den Fokus.
Der Süden trägt die meisten Lasten
Der Euro ist ein ökonomisches Projekt – „alles Unsinn“, korrigiert Kater. „Der Euro ist vor allem Ausdruck eines politischen Willens.“ Ziel sei es, die Interessen Europas in „der Welt von morgen“ vertreten zu können. „Solange dieser Wille besteht, werden die Eurostaaten alles tun, um die Währung zu stützen“, so Kater. Die „Eurokrise“ hält der Ökonom für ein klassisches Zahlungsbilanzproblem, das durch unterschiedliche Volkswirtschaften in einem festen Währungssystem entstanden ist. Die dafür notwendigen Anpassungsprozesse mancher Länder seien laut Kater mit „schmerzhaften Einschnitten und materiellen Opfern“ verbunden. Die Defizitländer trügen dabei dir Hauptlast. „Es ist keinesfalls so, dass der Norden für den Süden zahlt. Die strukturellen Anpassungen in den Leistungsbilanzsalden treffen vor allem die Südländer der Eurozone.“ Die sinkenden Exportüberschüsse Deutschlands und Österreichs seien ein Indiz dafür, dass es auch hier Angleichungen der Zahlungsbilanz gebe.
Die Politik hat’s nicht im Griff?
Bei der Bewältigung der Krise habe die europäische Politik zunächst keinen koordinierten Eindruck gemacht. Das habe internationale Investoren dazu veranlasst, den Euroraum bis auf Weiteres zu meiden. Seit dem Herbstgipfel im September 2011 liege aber eine sichtbare Strategie vor. Kater hat Verständnis für die schwierige Rolle der politischen Entscheidungsträger: „Das Euro-Schiff ist fast zehn Jahre unter vollen Segeln gefahren, dann geriet es ziemlich unvermittelt in einen Sturm. Deshalb dauert es, bis ein neuer Kurs eingeschlagen ist und wieder ruhige Gewässer erreicht werden.“ Griechische Staatsanleihen seien vor der Krise von den Märkten unter Risikoaspekten ähnlich bewertet worden wie deutsche Bundesanleihen. Dann hätten sich die Finanzierungsbedingungen schlagartig verschlechtert. „Mit einem solch plötzlichen Wechsel der Refinanzierungskonditionen gefährden Sie auch jedes noch so gute Unternehmen“, so das Fazit Katers. (dw)
Quelle:FONDS professionell
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