Sie wurden heißt diskutiert, sorgten für Reibung zwischen der Europäischen Kommission und dem EU-Parlament, wurden in Teilen verworfen und überarbeitet. Nun sind sie da: Am 12. April sind die technischen Regulierungsstandards (RTS) für die Priip-KIDs im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht worden.

Nur wenige Tage später stoßen die technischen Umsetzungsstandards auf Kritik. So zum Beispiel beim europäischen Fondsverband Efama, der drei Punkte bemängelt: Das Fehlen einer Vergangenheitsperformance im KID, die Methode zur Berechnung der Transaktionskosten und die mangelnde Vergleichbarkeit von Kosten.

Die RTS legen fest, welche Angaben in den wesentlichen Anlagerinformationen (Key Investors Document, kurz: KID) für Fonds, Fondspolizzen und Zertifikate künftig enthalten sein und wie diese dargestellt werden müssen. Die neuen KIDs sind in der Verordnung über verpackte Anlage- und Versicherungsprodukte (Packaged Retail Investment and Insurance based Products – kurz: Priip) vorgesehen, die am 1. Januar 2018 in Kraft treten wird.

Verfehlte Bestimmungen
Ein KID solle sinnvolle, verständliche und vergleichbare Informationen liefern, heißt es beim Verband Efama Damit sollen Anleger in die Lage versetzt werden, bessere Investmententscheidungen zu treffen. Im Großen und Ganzen habe die Priip-Verordnung mit den KIDs dafür auch einen guten Rahmen geschaffen. In vielen Punkten trügen die technischen Umsetzungsstandards dazu bei, dieses Ziel zu erreichen. Andere Bestimmungen seien jedoch verfehlt.

"Die vergangene Entwicklung wird im Priip-KID nicht dargestellt", erklärt der Verband. Auch wenn historische Daten nicht notwendigerweise ein Indikator für die künftige Performance seien, so zeigten sie doch, wie ein Anlageprodukt seine Ziele erreichen, übertreffen und für Investoren einen Mehrwert schaffen könne. Kritisch sieht der Verband auch die Methodik zur Berechnung der Transaktionskosten. Diese beruhe auf fehlerhaften Annahmen und könne beim Anleger leicht zu falschen Vorstellungen über die Kosten für ein Produkt führen.

Bedenken nicht ausreichend berücksichtigt
Zudem bemängelt der europäische Fondsverband, dass Kosten künftig in Abhängigkeit von der empfohlenen Haltedauer eines Produkts angegeben werden. Das erschwere Privatanlegern einen sinnvollen Vergleich ähnlicher Fonds oder mache diesen gänzlich unmöglich. "Efama hat die EU-Politiker während des gesamten Gesetzgebungsprozesses systematisch auf die potenziell negativen Konsequenzen eines Teils der Priips-Regeln für Investoren hingewiesen", sagt Peter De Proft, Efama-Generaldirektor. Der Verband sei "zutiefst enttäuscht" darüber, dass seine Bedenken nicht ausreichend berücksichtigt worden seien.

"Die Bereitstellung der richtigen Informationen ist für unsere Kunden von größter Bedeutung", erklärt Efama-Präsident Alexander Schindler. Mit den Priip-RTS müssten Asset Manager ihren Anlegern jedoch falsche Informationen über die wesentlichen Merkmale eines Investmentproduktes zukommen lassen. "Dies ist gegen unsere Pflicht, bestmöglich im Interesse unserer Kunden, der Endanleger und der übergeordneten Ziele der Priip-Verordnung zu handeln", erklärt Schindler. (am)