Better Finance geht mit einigen Fondsanbietern und nationalen Aufsichtsbehörden hart ins Gericht: Mindestens 30 Prozent der europaweit rund 2.000 zugelassenen aktiv gemanagten Aktienfonds, die einen Vergleichsindex haben, erfüllen nicht die Vorschriften unter der EU-Verordnung für Produktinformationsblätter (Key Investor Information Document oder KIID) für die Offenlegung wichtiger Information hinsichtlich ihrer Benchmark. Das hat die europäische Anlegerschutzvereinigung in einem neuen Report herausgefunden.

Darunter sind laut Better Finance auch eine Reihe an potenziellen "Indexschmusern": Fonds, bei denen die Anbieter behaupten, diese aktiv zu managen und die tatsächlich aber nur einen Vergleichsindex abbilden – aber die Gebühren von aktiven Portfolios verlangen. Vor allem stößt Better Finance sauer auf, dass einige Aufsichtsbehörden weder gegen die Indexschmuser noch die Verstöße gegen die KIID-Auflagen vorgehen.

Die Diskussion um die Indexschmuser und die fehlende Transparenz bei Vergleichsindizes beruht auf der Forderung der EU-Kommission, dass die Kosten und die Performances von Portfolios genauer unter die Lupe genommen werden. Die Behörde kritisiert dabei, dass hohe Gebühren die Renditen für die Kunden schmälern. Dies hatte 2016 eine Untersuchung der EU-Wertpapieraufsicht ESMA zur Folge, die zu dem Schluss kam, dass rund ein Drittel der vorgeblich aktiven Produkte in Wahrheit nur einen Index imitieren, gleichzeitig aber "aktive" Kosten anrechnen (FONDS professionell ONLINE berichtete).

44 Indexschmuser verstoßen gegen KIID-Vorschriften
Better Finance hatte diese ESMA-Studie im vergangenen Jahr nachgebaut und auch die Namen der insgesamt 165 im Englischen "Index Hugger" genannten Fonds genannt. Bei der Wiederlauflauge dieser Studie, die ebenfalls 165 Indexschmuser identifizierte, hat die Anlegerschutzvereinigung nun darüber hinaus bei 44 dieser 165 Produkte festgestellt, dass sie die KIID-Vorschriften über Transparenz nicht erfüllen: Die Vermögensverwalter sind gehalten, den Vergleichsindex und die historischen Performances von Index und Fonds anzugeben. Dies machen einige Vermögensverwalter aber nicht. Zu diesen 44 zählen laut Better Finance etwa Produkte von Deka, Union Investment, Metzler und Frankfurt Trust. Andere Fonds entstammen den Sortimenten von Candriam, Fidelity oder Janus Henderson.

Die Vereinigung kritisiert ferner, dass einige der nationalen Aufsichtsbehörden nicht konsequent gegen die Indexschmuser vorgehen. So habe die britische FCA insgesamt 64 Fonds, die vorgeblich aktiv gesteuert werden, mit einer Strafe belegt. Andere Autoritäten wie die deutsche Bafin oder die Luxemburger CSSF hätten dagegen nichts getan und behauptet, sie hätten so gut wie keine Indexschmuser in ihrem Zuständigkeitsbereich entdecket. Zahlen von Better Finance würden dem aber widersprechen.

Aufruf an Behörden
Auch bei den Problemen mit der Benchmark-Transparenz würden sich diese beiden Behörden nicht mit Ruhm bekleckern: Von den 2.033 Aktienfonds mit einem Vergleichsindex verstoßen 619 gegen die Vorschriften. Von diesen 619 sind 272 in Luxemburg und 45 in Deutschland domiziliert. 156 stammen aus Großbritannien, 81 aus Irland und 28 aus Österreich. 

"Diese anhaltenden, weit verbreiteten und klaren Verstöße gegen EU-Anlegerschutzregeln sind aus unserer Sicht ein weiterer Aufruf an die EU-Behörden, diese anhaltenden Schäden dringend und angemessen zu stoppen – insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte über die notwendige Reform des Europäischen Finanzaufsichtssystems", so Guillaume Prache, Managing Director von Better Finance. (jb)