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09.02. | 2016

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Sollte jeder große Asset Manager auch ETFs anbieten?

FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch über das zunehmende Interesse etablierter Investmenthäuser an passiven Anlageprodukten.

FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch

FONDS professionell-Chefredakteur Bernd Mikosch

Franklin Templeton will es tun, Legg Mason ebenfalls und jetzt auch noch Fidelity: Immer mehr Anbieter klassischer Investmentfonds planen, ins ETF-Geschäft einzusteigen. Ist das die Kapitulation vor dem Boom der Indexinvestments – oder die einzige Möglichkeit, das etablierte Geschäftsmodell abzusichern? Weder noch, wie so oft liegt die Wahrheit wohl irgendwo dazwischen.

Eines jedoch zeigt die jüngste ETF-Offensive der angelsächsischen Investmenthäuser: Jeder große Fondsanbieter muss sich darüber Klarheit verschaffen, wie er mit den Angreifern aus der ETF-Ecke umgeht. Und zwar jetzt, nicht erst in einigen Jahren, wenn der Kuchen schon verteilt ist.

Fest steht, dass der ETF-Markt auf Jahre hinaus wachsen wird. Trotz der gigantischen Zuflüsse in den vergangenen Jahren machen ETFs in Europa erst 3,5 Prozent des in Publikumsfonds verwalteten Vermögens aus. In den USA liegt diese Quote schon bei 16 Prozent – Tendenz steigend. Wer sich dieser Tatsache bewusst ist, versteht, warum Jahr für Jahr neue Anbieter auf den europäischen Markt drängen, auch wenn das Geschäft als margenarm und wettbewerbsintensiv gilt. Neulinge haben es zwar schwer, denn die drei größten Anbieter iShares (Blackrock), Deutsche Bank und Lyxor vereinen mehr als zwei Drittel aller Zuflüsse auf sich. Dass es für Newcomer dennoch nicht unmöglich ist, Marktanteile hinzuzugewinnen, zeigt das Beispiel des US-Indexfondspioniers Vanguard, der erfolgreich den Sprung aus Amerika nach Europa geschafft hat.

Halbherziges Engagement zum Scheitern verurteilt
Die etablierten Fondsanbieter erleben jeden Tag, dass ihre Kunden die tatsächlichen und vermeintlichen Vorzüge der ETFs preisen. Sie schichten zunehmend Geld aus aktiv verwalteten Fonds in passive Produkte um. Unabhängig davon, ob einem das als sinnvoll erscheint oder nicht: Dieser Trend ist nicht wegzudiskutieren. Daher handelt ein Asset Manager durchaus rational, wenn er auf diesen Kundenwunsch reagiert und selbst ETFs anbietet – so hat er zumindest die Chance, dass das Geld im eigenen Haus bleibt. Oder anders formuliert: Jeder große Fondsanbieter braucht gute Argumente, wenn er sich dem ETF-Trend widersetzt.

Die meisten Anbieter klassischer Fonds, die ihre ersten Schritte in die ETF-Welt tun, entscheiden sich für Smart-Beta-Ansätze oder aktiv verwaltete ETFs, die einer regelgebundenen Strategie folgen. Für den Anfang mag das sinnvoll sein, schließlich können sie bei solchen Produkten glaubhaft ihre bisherige Expertise vermarkten. Ob das auf lange Sicht aber reichen wird, um die Nachfrage der eigenen Kunden zu bedienen, ist offen. Ein halbherziges Engagement am ETF-Markt wird jedenfalls zum Scheitern verurteilt sein.

Die eigentliche Frage, die jeder Fondsanbieter für sich beantworten muss, lautet: Bin ich ein Vollsortimenter? Dann gehören ETFs dazu. Oder positioniere ich mich explizit als aktiver Vermögensverwalter? Dann sollte ich alle Fonds auslisten, die am Index kleben. Diese Strategie geht auf Kosten des Asset-Wachstums – und kann nur aufgehen, wenn es gelingt, dank besserer Qualität höhere Margen durchzusetzen.

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