Das Fondsanalysehaus Morningstar hat die Erfolgsquote seiner Analystenratings untersucht. Die britische Finanzaufsicht FCA hatte in einer Studie den gesamten Fondsmarkt harsch kritisiert und dabei auch den Nutzen solcher Urteile für Anleger in Zweifel gezogen. Die Ratinggesellschaft will solche Vorwürfe entkräften und veröffentlicht regelmäßig Tests ihrer eigenen Prognosegüte.

Die qualitativen Ratings von Morningstar sind in der heutigen Form erst seit November 2011 am Markt. Anders als das Sterne-Rating hegen sie den Anspruch, die künftige Entwicklung eines Portfolios abzuschätzen. Fonds, die den qualitativen Analyseprozess durchlaufen haben und über ein positives Morningstar Analysten-Rating ("Gold", "Silver" oder "Bronze") verfügen, sollten in der Lage sein, sowohl ihre Benchmark als auch vergleichbare Fonds risikoadjustiert zu übertreffen. Die verschiedenen positiven Ratingstufen spiegeln den Grad der Überzeugung der Analysten wider. Fonds mit dem Urteil "Neutral" oder "Negative" trauen die Experten dies dagegen nicht zu.

Eingeflossen sind Daten zu Aktien-, Renten- und Mischfonds, die zwischen November 2011 und April 2017 über ein qualitatives Rating verfügten. Die Performance wurde bis Ende Oktober 2017 gemessen. Wegen der niedrigen Zahl an bewerteten Fonds wurden die Asset-Klassen Rohstoffe, Wandelanleihen und Alternatives aus dem Test ausgeschlossen. In die Bewertung eingeflossen sind zwischen 1.911 (November 2011) und 2.691 (April 2017) Produkte. Dabei machten US-Fonds 47 Prozent des Tests aus, gefolgt von europäischen (34 Prozent) und asiatischen Portfolios (19 Prozent). Produkte, die zwischenzeitlich liquidiert oder verschmolzen wurden, flossen ebenfalls in die Auswertung ein.

Zweigliedriger Test
Morningstar hat die Analyst-Ratings zwei Teststufen unterzogen. Zunächst erfolgte ein statistischer Test. Hier wurden über rollierende Dreijahreszeiträume Performance-Kennzahlen, Kosten sowie die Faktoren Value, Momentum, Markt, Größe (bei Aktien), Duration und Kreditrisiken (bei Anleihen) kontrolliert. Ziel war es, die durchschnittlichen monatlichen Renditeprämien zu ermitteln, die bei einem Investment in die verschiedenen Ratingstufen herausgekommen wären. Dabei wurde als Referenzgröße die Ratingstufe "Neutral" gewählt.

Bei Aktienfonds zeigt sich, dass die mit Medaillen ausgezeichneten Fonds höhere risikoadjustierte Renditen als neutral bewertete Fonds erwirtschafteten. Dabei erzielten "Gold-" und "Bronze"-Fonds  bessere Ergebnisse als neutral bewertete Manager. Die Underperformance von "Negative"-Fonds war ebenfalls erkennbar. "Silver"-Portfolios schnitten hingegen nicht besser ab. Bei Mischfonds erzielten die Gruppen "Gold" und "Silver" eine signifikante Outperformance gegenüber der neutralen Gruppe. Weniger überzeugend fielen die Ergebnisse bei Rentenfonds aus. Hier konnten lediglich die "Silver"-Produkte glänzen. 

Gold liegt vorne
Im zweiten Schritt wurden Gruppen nach Morningstar Analysten-Ratings gebildet und die relativen Renditen für die nachfolgenden Ein-, Sechs-, Zwölf-, 36- und 60-Monats-Perioden gegenüber den Kategorie-Renditen sowie gegenüber den Vergleichsbarometern abgetragen. Die Ratingkörbe wurden monatlich neu zusammengesetzt. Morningstar hat also Portfolios nach Analyst-Ratings konstruiert, gegeneinander laufen lassen und dabei die Renditen gegenüber der jeweiligen Fondskategorie bzw. gegenüber den Benchmarks ermittelt.

Klar ersichtlich ist dabei die Outperformance der mit "Gold" bewerteten Fonds. Die Mehrrendite von 5,4 Prozentpunkten der "Gold"-Fonds gegenüber "Negative"-Portfolios fällt ebenfalls auf. Weniger gut schneiden indes die "Silver-" und "Bronze"-Fonds gegenüber den mit "Neutral" eingestuften Portfolios ab.

Hohe Trefferquote bei Aktien und Mischfonds
Das Endergebnis der Tests zeigt, dass das qualitative Morningstar Analysten-Rating in der betrachteten Zeitperiode Prognosekraft aufweist. Allerdings variiert die Stärke der Bewertungen nach Anlageklasse. Besonders gut schneiden Ratings bei Aktienfonds ab. Positiv fallen die Ergebnisse auch bei Mischfonds aus, im Rentenbereich hingegen sind die Ergebnisse weniger überzeugend. Zwar schneiden "Silver-" und "Bronze"-Fonds gut ab, "Gold"-Portfolios allerdings deutlich weniger. (kb)