Die Wahrheit ist oft genug subjektiv und nicht immer so offensichtlich, wie man sich das wünschen mag. Deutlich wird das vor allem bei Streitigkeiten, vor allem solchen, die vor Gericht ausgetragen werden. Ein aktuelles Beispiel ist der Dissens zwischen dem selbsternannten Anlegerschützer Heinz Gerlach und der Berlin Atlantic Capital AG (BAC), der bereits im November vergangenen Jahres begonnen hat.

Aktuell wirft die BAC Gerlach vor, eine künstlich konstruierte Hetzkampagne gegen das Unternehmen zu führen. Deren Hintergründe hat sie aus ihrer Sicht am 14. August in einem Rundschreiben - das mit "Der wahre Grund hinter der Hetzkampagne des Heinz Gerlach" überschrieben ist den Vorwurf einer Nötigung enthält - an ihre Geschäftspartner näher erläutert.

Auf der anderen Seite steht Heinz Gerlach mit seiner Firma Gerlach Medien AG, der dies erwartungsgemäß bestreitet und stattdessen behauptet, die negative Berichterstattung sei rechtens, weil die BAC in ihren Fondsprospekten nachweislich nicht sauber bilanziere und darüber hinaus über ihre Anwaltskanzlei Beiten Burkhardt Goerdeler Rechtsanwaltsgesellschaft mbH versuche, Druck auf ihn auszuüben und ihm einen Maulkorb zu verpassen.

Zwei Schauplätze...

Spätestens hier fängt die Geschichte an, kompliziert zu werden, denn es beginnen sich zwei Schauplätze miteinander zu vermischen. Auf der einen Seite stehen der gelernte Steuergehilfe Heinz Gerlach mit seiner Gerlach Medien AG und die BAC, die sich aktuell gegen negative Berichterstattung in Gerlachs Publikationen Direkter Anlegerschutz (kostenpflichtig) und dem Anleger-Schutzreport (kostenlos) zur Wehr setzt und sich dabei juristisch von der Anwaltskanzlei Beiten Burkhardt vertreten lässt - deren Dienstleistungen Heinz Gerlach vor Jahren ebenfalls in Anspruch nahm.

...eine alte Schuld...

An eben dieser Stelle öffnet sich der zweite Schauplatz. Hier heißen die Akteure Heinz Gerlach nebst Firma auf der einen Seite, sowie Beiten Burkhardt auf der anderen Seite, denn zwischen beiden gibt, respektive gab es ebenfalls einen ausstehenden Dissens. Bei den Streitigkeiten ging es um eine Forderung von 233.748,70 Euro, die teilweise noch aus dem Jahr 2003 datierte, welche die Kanzlei von der Gerlach Medien AG für Beratungsdienstleistungen einforderte. Die Summe setzte sich dabei aus einer Hauptforderung von 172.856,71 Euro und in der Zeit aufgelaufenen Zinsen zusammen.

Laut Aussage von Beiten Burkhardt habe man über die Jahre vergeblich versucht, das Geld bei der Gerlach Medien AG einzutreiben. So habe es mehrmals Besuche der Gerichtsvollzieherin gegeben, die zu Pfändungen geführt hätten. Daraufhin sei es im Zeitraum vom 21. Juni 2005 bis zum 13. Juni 2008 zu "zwangsweisen Zahlungen" in einer Gesamthöhe von 32.301, 04 Euro gekommen, sowie einer Zahlung von Heinz Gerlach als Privatperson, die im Dezember 2005 erfolgte und sich auf 8.166, 58 Euro belief, womit sich die Gesamtsumme der eingegangen Zahlungen auf 40.467,62 Euro summiert.

...und ein Insolvenzantrag

Diese konkreten Zahlen listete die Kanzlei im Insolvenzantrag auf, den sie am 25. Juni 2008 beim Insolvenzgericht Bad Homburg gegen die Gerlach Medien AG einreichte und der unter dem Aktenzeichen 63 IN 98/08 zugelassen wurde. In dem Antrag heißt es unter anderem, dass Gerlach dem Gläubiger schon vor Jahren telefonisch erklärt habe, dass bei ihm "nichts zu holen" sei, was - neben der nicht erfolgten Tilgungszahlungen - als ein weiteres Argument für eine bestehende Zahlungsunfähigkeit der Gerlach Medien AG angeführt wurde.

Dass er Außenstände hatte, wurde von Gerlach nicht bestritten, auch nicht, dass aus der Zeit ein notariell beurkundetes Schuldanerkenntnis existiert. Allerdings stelle sich der Sachverhalt gänzlich anders dar, so Gerlach auf Nachfrage von FONDS professionell. So habe die fragliche Forderung ihm zufolge über Jahre geruht und sei seitens der Kanzlei nicht geltend gemacht worden. Dass er von sich aus keine Tilgung seiner Schulden initiierte und es so zu einer langjährigen Stundung kam, erklärt Gerlach damit, dass es Unstimmigkeiten im Hinblick auf die Höhe der zu zahlenden Gelder gegeben habe, da diese ihm zufolge viel zu hoch angesetzt worden seien.

Als Basis für seine Argumentation führt Gerlach an, dass die einst vereinbarten Rückzahlungsmodalitäten eine deutlich niedrigere Summe vorgesehen hätten. Hintergrund sei, dass Gerlach der Kanzlei in ihrer damaligen Konstellation in Verbindung mit KPMG honorarträchtige Mandate vermittelt habe, "es aber standesrechtlich nicht zulässig war und ist, hierfür Vermittlungshonorare in Rechnung zu stellen", so Gerlach. In der Konsequenz sei es mit den damaligen Frankfurter Anwälten stillschweigend vereinbart gewesen, dass er das angefallene Honorar nicht - oder nur zu einem sehr geringen Teil - zu zahlen habe, wenn die vermittelten Mandate Bestand hätten.

Beglichene Schulden

Wenngleich über die Gründe der laxen Zahlungsmoral spekuliert werden kann - den Vorwurf der Zahlungsunfähigkeit konnte Heinz Gerlach zumindest dahingehend widerlegen, dass er die Summe letztlich beglichen hat, die sich ihm zufolge "wohl kaum mal so eben aus der Portokasse holen lässt". Dass er erst im letzten Moment bezahlt habe, lag ihm zufolge denn auch nicht an einer Zahlungsunfähigkeit seiner Firma, sondern vielmehr daran, dass er dies auf Empfehlung seiner Anwälte zunächst unterlassen und vorerst nur Geld zurückgestellt habe, "um abzuwarten, ob Beiten Burkhardt seine Vollstreckungs-Drohung wirklich wahr macht". Zu keinem Zeitpunkt sei seine Firma zahlungsunfähig gewesen und sei dies auch jetzt nicht, stellte Gerlach auf Anfrage von Fonds professionell klar.

Verlagerung des Streitplatzes

Auch wenn die Ansichten über die gerechtfertigte Schuldhöhe auseinander gehen - Fakt ist, dass der Betrag beglichen wurde und die bei Beiten Burkhardt ausstehenden Schulden der Gerlach Media AG damit getilgt sind.

Allerdings haben sich im Verlauf der Auseinandersetzung, respektive parallel zu ihr, neue Baustellen aufgetan, wobei sich der Streitplatz zunehmend Richtung BAC contra Gerlach Medien AG verlagert hat. Die BAC ist aktuell Mandantin bei Beiten Burkhardt und liefert sich über diese bereits seit Monaten eine juristische Verbalschlacht mit Gerlach und seiner Firma.

Auslöser hierfür sind Berichte in Gerlachs beiden Postillen "Direkter Anlegerschutz" und "Anlegerschutz-Report", in denen Gerlach die Fonds der BAC regelmäßig an den Pranger stellt - wofür er von Beiten Burkhardt und anderen Rechtsanwälten bereits mehrfach abgemahnt wurde. Sieben einstweilige Verfügungen wurden bisher erwirkt, eine achte befindet sich laut Aussage der BAC in Vorbereitung, ebenso wurde eine Schadensersatzklage eingereicht.

Familiäre Bande und divergierende Sichtweisen

Die Tatsache, dass Beiten Burkhardt die BAC vertritt ist dann auch ein wesentlicher Punkt in der Causa BAC versus Gerlach. Hintergrund ist, dass der Seniorpartner der Anwaltskanzlei Beiten Burkhardt, Dr. Gerd Beiten, der Vater des BAC-Partners Stefan Beiten ist.

Laut Gerlach - der eigenen Angaben zufolge erst Mitte April auf einer Veranstaltung von diesen familiären Banden erfahren hat - sei dies nicht ganz koscher, da dadurch die erforderliche Neutralität offenbar mitunter auf der Strecke bleibe. So spekuliere er auch, dass die Information, dass seine Firma Außenstände bei Beiten Burkhardt hatte, als Folge dieser familiären Verbindung, nach außen gelangen konnte - was eine Verletzung der anwaltlichen Schweigepflicht bedeute - wobei sich Gerlach auch auf einen aktuellen Spiegel-Artikel (Heft 28 / 7.7.2008, "Ruhe oder Rufschädigung") stützt. Zudem mutmaßt er, dass die BAC diesen Umstand nütze, um auf Umwegen zum Ziel zu kommen, ihm einen Maulkorb zu verpassen, woraus Gerlach auch in seinen Publikationen keinen Hehl macht.

Jüngstes Beispiel ist sein Anlegerschutz-Report vom 15. August 2008 - den Gerlach als Antwort auf das BAC-Schreiben "Der wahre Grund hinter der Hetzkampagne des Heinz Gerlach" versandte - seinerseits übertitelt mit: BAC in Panik!! Nötigung durch Beiten Burkhardt?? und einem Link zu einem Schreiben seiner Kanzlei Klumpe, Schroeder + Partner (KSP), in dem sich der "tatsächliche Sachverhalt" nachlesen lasse. Darin schreibt Gerlach unter anderem wörtlich, dass "die Kanzlei Beiten Burkhardt im Interesse ihres Mandanten BAC, das heißt im Interesse des zumindest im Fall des vermögensvernichtenden Beiten-Sohnes, uns zur Einstellung unserer Berichterstattung i. S. BAC zwingen wollte".

Basis für diese Behauptung bildet der Umstand, dass die beiden BAC-Männer Stefan Beiten und Nikolaus Weil damals, wie auch heute, Eigentümer der Greenlight Media AG sind und ergo auch die schlechte Performance des Fonds zu verantworten hätten, so Gerlachs Conclusio.

Dass die familiären Bande in der Causa Gerlach gegen BAC eine Rolle spielen, meint auch die BAC. Allerdings sehe der Tatbestand eher so aus, dass Gerlach versucht habe, die BAC "auf der Basis diese Zusammenhangs zu nötigen", die zu dem Zeitpunkt damals noch ausstehenden Schulden bei Beiten Burkhardt zu begleichen, wie es in dem Rundschreiben vom 14. August heißt. Nachdem man sich der Forderung nicht gebeugt habe, habe Gerlach "eine Kampagne mit konstruierten Vorwürfen begonnen".

Der eigentliche Kern des Dissens

Über den jeweiligen Wahrheitsgehalt der Aussagen mag spekuliert werden, aber zumindest führen sie in der Quintessenz zum eigentlichen Kern des Dissens: der Frage, ob in den Fondsprospekten der BAC-Produkte ausreichend und korrekt bilanziert wurde, oder eben nicht.

Streitpunkt "BAF Berlin Animation Film Fonds"

Einen konkreten Streitpunkt zwischen beiden Parteien stellt dabei unter anderem der besagte "BAF Berlin Animation Film Fonds" dar, für den die Greenlight Media AG damals als Dienstleister auftrat und der von der Dresdner Bank im Jahr 2000 exklusiv vertrieben wurde.

Gerlach zufolge - der sich dabei auch auf einen am 29. April 2003 in der FAZ erschienenen Artikel beruft - verschweige die BAC in all ihren Prospekten und in ihrer Leistungsbilanz die nach IDW-Standard "im Vertrieb aufklärungspflichtigen katastrophalen Management-Leitungen", welche die beiden BAC-Männer Stefan Beiten und Nikolaus Weil für den Fonds zu verantworten hätten.

Ein Vorwurf, von dem sich die BAC distanziert, mit dem Verweis darauf, dass die Greenlight Media zum einen trotz der personellen Überlappung keine Tochter der BAC sei, sondern vielmehr "eine 100%-ige Beteiligungsgesellschaft der Eigentümer der Berlin Atlantic Capital Gruppe". Zum anderen habe die Greenlight Media AG darüberhinaus damals auch nur als Produktionsgesellschaft operiert und sei nicht selber als Fondsinitiatorin aufgetreten. Vielmehr sei ausschließlich die Dresdner Bank Initiatorin und Prospektherausgeberin des BAF-Fonds gewesen, ergo müsse die Fondsperformance auch nicht in der Leistungsbilanz der BAC ausgewiesen werden, die darüber hinaus erst 2004 gegründet wurde.

Allerdings ist der BAF Berlin Animation Film Fonds nicht der einzige Fonds, über den Gerlach in seinen Publikationen eine negative Verbindung zur BAC herstellt. So moniert er unter anderem auch (angebliche) Missstände, respektive irreführende Renditeberechnungen in der Prospektierung beim Life Trust 11, Life Trust 2 und Opportunity Premium 1 Fonds an - welche allesamt von der Gegenseite BAC über ihre Anwälte jeweils mit einstweiligen Verfügungen gekontert wurden. Ferner gebe es beanstandungsfreie IDW-Gutachten, sowie separate Stellungnahmen der Wirtschaftsprüfer, zu den Tatsachenbehauptungen von Herrn Gerlach.

Dass sich der Disput so hochgeschaukelt hat, liegt - laut Meinung der BAC - in der Natur des Geschäftsmodells des Heinz Gerlach, der sein Geld unter anderem damit verdient, dass er Emissionshäusern gegen einen Obolus in fünfstelliger Höhe bei der Konzeption des Prospekts hilft, beziehungsweise ebenfalls kostenpflichtige (Vor)-Analysen erstellt. Die Objektivität bleibe hierbei mitunter auf der Strecke, heißt es von Seiten der BAC: "Bei Systemen wie sie von Herrn Gerlach installiert werden, spielt man entweder mit, zahlt und hofft darauf, in Ruhe gelassen zu werden, oder man ist bereit, Widerstand bis zur letzten Konsequenz zu leisten".

Ein Vorwurf, der innerhalb der Branche nicht zum ersten Mal erhoben wird, aber an Heinz Gerlach gänzlich abprallt. Denn so sehr man ihm seine des öfteren euphemistische und mitunter ausfallende Wortwahl ankreiden mag, die er in seinen Publikationen verwendet, so wenig ließ sich eine derartige Mauschelei in der Praxis - abgesehen von einem Urteil des Landgericht Frankfurt / Main, das von der Maruhn Immobilien GmbH & Co. Postsiedlung Dresden KG erstritten wurde - bisher beweisen. Was Gerlach zufolge nicht verwunderlich ist, wie er auf Anfrage von Fonds professionell anmerkte: "Wissen Sie, warum man uns nix beweisen kann? Weil wir niemanden unter Druck setzen". Entsprechende Nachfragen seien ihm zufolge denn auch "Kloakenjournalismus".

Juristische Schritte als kleinster gemeinsamer Nenner

Für Außenstehende und juristisch wenig Versierte gestaltet sich die Frage nach Recht und Unrecht schwierig, zumal beide Seiten im Hinblick auf Dokumente, die ihre eigene Integrität beweisen, und anderseits die Vergehen des Kontrahenten verdeutlichen sollen, nicht geizen.

Doch so uneins sich die Seiten sind - in einem gehen sie d"accord: der Ankündigung von weiteren rechtlichen Schritten. Während die BAC neben einer bereits eingereichten Schadensersatzklage und sieben einstweiligen Verfügungen aktuell eine achte einstweilige Verfügung vorbereitet und gleichzeitig ankündigt, sich "weiterhin mit allen verfügbaren Mitteln zur Wehr zu setzen und den dazu notwendigen rechtlichen Rahmen auszuschöpfen", kontert Gerlach seinerseits damit, dass "die erforderlichen zivil- und strafrechtlichen Schritte gegen die BAC-Verantwortlichen und gegen die Verantwortlichen bei Beiten Burkhardt" eingeleitet seien. Wie das Urteil in der Causa letztlich ausfallen wird, bleibt abzuwarten. Sicher scheint auf jeden Fall, dass sie beide Seiten noch einige Zeit beschäftigen dürfte. (ir)