Aus der Sicht des Emittenten ist die Motivation für eine solche Anleihenemission klar: Natürlich ist man als Schuldner daran interessiert, sich einen Nominalzins von zwei Prozent möglichst lange zu sichern. Spannender ist die Frage, wer sein Geld für 100 Jahre verleiht und sich dabei mit zwei Prozent Ertrag begnügt.

Als Investor riskiert man hier selbst im Fall eines geringen Zinsanstiegs spektakuläre Kursverluste. Die Zinsen müssten nämlich nur auf drei Prozent steigen, um den Anleihekurs fast auf null zu senken. Die Berechnung dazu ist simpel: Wer 100 Euro investiert und 100 Jahre lang jährlich zwei Prozent bekommt, kassiert in Summe 200 Prozent – oder 200 Euro – des Anlagebetrags. Bei der Tilgung erhält man die ursprünglich investierten 100 Euro zurück. Bei drei Prozent wären es 300 Euro Zinsen plus 100 Euro bei Tilgung. Um aber mit der zweiprozentigen Anleihe in Summe auf 300 Euro Ertrag (Zinsen plus Tilgung) zu kommen, muss man die Anleihe praktisch gratis bekommen. Und steigen die Zinsen auf vier Prozent, geht sich bei dem Zweiprozenter gar nichts mehr aus...

Wer sind die Käufer?
Um ein solches Papier zu kaufen, muss man also entweder ziemlich sicher sein, dass die Zinsen nie wieder steigen – oder man hat schlimmere Dinge zu befürchten als einen Kursverlust bei einer Hartwährungsanleihe, der nur schlagend wird, wenn man sie verkauft. Dem Vernehmen nach wurden die zwei 100-jährigen Staatsanleihen, die von Irland und Belgien im Vorjahr privat platziert wurden, von Investoren gekauft, die außerhalb der Euro-Zone domiziliert sind. Und schließlich kommen auch institutionelle Anleger in Frage, die mit extrem langem Anlagehorizont arbeiten und sich wenigsten die 2,1 Prozent Nominalertrag sicher wollen, um damit einen Teil ihre zukünftigen Zahlungsverpflichtungen erfüllen zu können.

Nachfrageüberhang
Fest steht, dass die Platzierung des Langläufers überhaupt kein Problem war. Das Bankenkonsortium, das die Anleihe verkauft, meldete ein Nachfragevolumen von sechs Milliarden Euro – bei einem Emissionsvolumen von gerade mal 3,5 Milliarden Euro.

Der Nachfrageüberhang ermöglicht es der Republik, die ursprüngliche Spanne für den Emissions-Spread auf etwa einen halben Prozentpunkt über der aktuellen 30-jährigen österreichischen Benchmark-Anleihe zu kürzen. Die Rendite dieser 30-jährigen Anleihe derzeit bei rund 1,50 Prozent. Die Rendite der im Vorjahr emittierten 70-jährigen Anleihe liegt inzwischen übrigens schon bei knapp unter 1,9 Prozent, bei einem Kupon von 1,5 Prozent – ihr Kurs liegt derzeit bei 81,5 Prozent, im November 2016 waren es noch 100 Prozent.

Warum gerade jetzt?
Interessant ist die Frage, warum Österreich die Anleihe gerade jetzt bringt. Naheliegend wäre die Unterstellung, dass die Bundesfinanzierungsagentur davon ausgeht, dass die Tiefzinsphase demnächst enden wird und noch mitnehmen will, was geht. Denn grundsätzlich ist diese Anleihe für Österreich vergleichsweise teuer. 2,1 Prozent Kupon sind zwar wenig, aber bei zehn Jahren Laufzeit läge die Zinsbelastung bei etwa einem Viertel davon. (gf/kb)