Dirk Schmitz hat nach mehr als 20 Jahren die Seiten gewechselt: Der erfahrene Investmentbanker leitet seit Januar dieses Jahres das Geschäft von Blackrock in Deutschland, Österreich und Osteuropa. 1996 stieg er bei JP Morgan in die Branche ein, 2001 wechselte er zu Morgan Stanley. Zuletzt leitete er das Investmentbanking der Deutschen Bank in ihrem Heimatmarkt. FONDS professionell traf ihn in der Blackrock-Konferenzetage im Frankfurter Opernturm zum Interview.

Herr Schmitz, das ETF-Geschäft war bislang praktisch ein Selbstläufer. Nun sind die Nettomittelzuflüsse aber gedämpft. Zudem entern etablierte Fondshäuser wie Franklin Templeton den Markt. Sie konzentrieren sich auf die besonders wachstumsstarke und lukrative Nische Smart-Beta. Wie gehen Sie mit dem anspruchsvolleren Markt und der neuen Konkurrenz um?

Dirk Schmitz: Ungeachtet der jüngsten Turbulenzen an den Börsen gehen wir davon aus, dass der ETF-Markt ungebrochen weiter wächst. Blackrock hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, nach der sich das globale Volumen des Marktes in den kommenden fünf Jahren verdoppeln wird. Davon werden auch wir profitieren. Dass andere Spieler an diesem Wachstum teilhaben wollen, ist ganz normal. Mehr Wettbewerb bedeutet mehr Innovation. Das ist gut für Anleger. Unser Ziel muss es sein, den Kunden neben den Standard-Produkten, die weiterhin hohe Zuflüsse generieren werden, weitere passgenaue Lösungen anzubieten.

Wie können diese aussehen?

Schmitz: Die Kundennachfrage hat sich über die Suche nach rein aktiv gemanagten oder rein indexbasierten Anlagelösungen hinaus entwickelt. Anleger suchen nach Möglichkeiten, die Lücke zwischen diesen beiden Produktgruppen zu schließen. Smart-Beta-ETFs sind einer dieser Bausteine. Außerdem haben wir begonnen, dezidierte Themen-ETFs aufzulegen. Dazu gehört beispielsweise ein Indexfonds, mit dem wir unseren Investoren extrem kostengünstig einen Zugang zu dem Megatrend "Automation and Robotics" geben. Der Fonds hat innerhalb eines Jahres über 2,5 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Der dritte Bereich, der eine Brücke zwischen Indexinvestments und aktivem Fondsmanagement schlägt, ist unsere Advantage-Serie. Diese Fonds verfolgen das Ziel, Alpha zu generieren, sind aber deutlich günstiger als klassische aktiv gemanagte Portfolios. Wir nennen das "Low-Cost-Alpha". Sie stützen sich auf verschiedene innovative Technologien wie etwa Big Data und maschinelles Lernen.

Dennoch: Ist es realistisch, dass Ihr Haus seinen hohen Marktanteil von derzeit rund 45 Prozent auf dem europäischen ETF-Markt halten kann?

Schmitz: Der Markt insgesamt wächst, da ist es normal, dass sich Anteile verschieben. Uns ist klar, dass der Wettbewerb in diesem Segment weiter zunehmen wird. Es geht uns nicht um ein paar Prozentpunkte Marktanteil, sondern darum, mit dem Markt zu wachsen und die Bedürfnisse unserer Kunden zu befriedigen.

Anfang des Jahres machte Blackrock publik, die Münchner iShares-ETFs auf ihre irischen Pendants verschmelzen zu wollen. Als es dann entsprechend Gegenwind von Anlegern gab, haben Sie die Pläne wieder aufgegeben. Warum haben Sie Ihr Vorhaben nicht schon frühzeitig mit großen Vertriebspartnern diskutiert? Dann wäre schnell klar geworden, welche Bedenken es gibt.

Schmitz: Wir haben das Thema durchaus schon vorher mit Investoren besprochen. Im ETF-Markt wissen Sie als Anbieter allerdings nie genau, wer die einzelnen Fondsanteile hält – mehr als eine gute Vermutung, wo die Bestände liegen, hatten wir nicht. Darum haben wir unsere Pläne öffentlich gemacht, um eine breite Diskussion anzustoßen und sicherzugehen, dass alle Betroffenen daran teilhaben können. Die Idee war, durch die Verschmelzung der ETFs Synergien besser heben zu können. Die Konsultation hat jedoch gezeigt, dass die Umstellung für viele Kunden mit einem erheblichen administrativen Aufwand verbunden wäre, etwa wenn es um die Änderung der Wertpapierkennnummern geht. Darum haben wir entschieden, die Plattform in München zu belassen.

Ist das Thema denn nun aufgehoben oder nur aufgeschoben?

Schmitz: Aufgehoben. Die Münchner Plattform bleibt bestehen – wir werden sie weiter optimieren und ausbauen.

Vielen Dank für das Gespräch. (bm/ert)