Der Oberste Gerichtshof hat sich kürzlich erneut mit geschlossenen Fonds beschäftigt und wieder ein Urteil gegen den Finanzvertrieb gefällt. Ein Streitpunkt betrifft die Vertriebsprovision, die bei geschlossenen Fonds immer zwei Bestandteile hatte: das Agio, das der Kunden direkt zahlt (Außenprovision), und die Vergütung des Anbieters für den Vertrieb (Innenprovision). In den ordnungsgemäß erstellten Kapitalmarktprospekten wird darauf unmissverständlich hingewiesen und die Höhe der Vergütung genannt.

Im vorliegenden Fall hat die Anlegerin mit ihrer Bank über das Agio verhandelt und einen Nachlass von fünf auf 3,5 Prozent erreicht. Sechs Jahre später will sie erfahren haben, dass die Bank zusätzlich zum Agio eine Provision vom Fondsinitiator erhalten hat, worüber sie vom Berater nicht aufgeklärt worden sei. Erst weitere zwei Jahre später bringt die Investorin, die laut Gericht eine erfahrene Juristin ist, ihren Vorwurf in einer Klage ein.

Der Oberste Gerichtshof gab ihr Recht und bestätigte in diesem Punkt den Vorwurf der Falschberatung durch den Mitarbeiter der Bank. Damit traf das Gericht allerdings – vermutlich unbewusst – eine weltfremde Entscheidung. Denn übersetzt heißt das Urteil, dass ein Anleger davon ausgehen darf, dass die Vertriebsprovision bei geschlossenen Fonds nur maximal so hoch wie das Agio ist. Dieses beträgt in der Regel höchstens fünf Prozent und ist – wie hier geschehen – verhandelbar.

Die Vorstellung ist aber völlig unrealistisch. Denn Vertriebsprovisionen orientieren sich auch an der Laufzeit des Investments. Bei geschlossenen Fonds ist der Anleger relativ lange mit seinem Kapital gebunden. Noch dazu sind die Beteiligungen nur eingeschränkt handelbar. Deshalb kann der Berater nicht mit der schnellen Wiederanlage seines Kunden rechnen. Außerdem sind geschlossene Fonds grundsätzlich beratungsintensivere Produkte.

Vor diesem Hintergrund wäre die Provision sehr niedrig, wenn sie sich auf das Agio, das sogar verhandelbar ist, beschränkt wäre. Bei 13 Jahren durchschnittlicher Fondslaufzeit und fünf Prozent Agio wäre das eine Vergütung von 0,39 Prozent für jedes Jahr, das der Kunde in dem Fonds gebunden ist. Eine Bestandsprovision gibt es bei geschlossenen Fonds nicht. Das bedeutet, dass der Vertrieb mit der einmaligen Provision den anfänglichen Beratungsaufwand und die laufende Betreuung, die wegen jährlich stattfindender Beschlussfassungen in den Fonds sehr intensiv sein kann, finanzieren muss.

Da muss man den Tatsachen ehrlich ins Auge blicken: Die Vertriebe, Banken und Finanzberater müssen kaufmännisch denken und benötigen eine aufwandsgerechte Vergütung, die allein mit dem (rabattfähigen) Agio nicht gegeben ist. Im Übrigen tragen Berater und Vermittler von Sachwertbeteiligungen dazu bei, dass private Anleger volkswirtschaftlich sinnvolle Investitionen in Immobilien, erneuerbare Energien, Transport und Logistik tätigen. Last but not least fällt anlässlich dieses Urteils wieder auf, dass nirgendwo sonst die Vertriebs- und Gewinnspannen der Anbieter und Verkäufer so stark hinterfragt werden wie bei Finanzprodukten.