Der Berufsstand der Vermögensberater kämpft einerseits mit Nachwuchsproblemen und andererseits mit einer Überalterung. Derzeit gibt es laut Wirtschaftskammer 3.609 Vermögensberater und Wertpapiervermittler. Rechnet man jene weg, die kein Wertpapiergeschäft machen und somit an kein Haftungsdach angebunden sind, bleiben gar nur 2.724 übrig.

Bei Berufsgruppen, mit denen sich die Vermögensberater gern vergleichen, sieht die Sache anders aus. So gibt es in Österreich 8.453 Rechtsanwälte (inkl. Anwärter) sowie über 10.425 Steuerberater und Wirtschaftstreuhänder (inkl. Anwärter). Um ­eine flächendeckende Betreuung sicherzustellen, sollten auch die Vermögensberater langfristig wieder auf eine ähnlich hohe Zahl kommen.

Wunsch nach flexiblen Arbeitsmodellen
Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen müsste man Neueinsteigern den Start in den Beruf schmackhaft machen. Sieht man sich aktuelle Umfragen an, in denen Berufseinsteiger gefragt wurden, was für sie bei der Berufswahl entscheidend ist, sieht es gar nicht so schlecht aus. Laut einer aktuellen Untersuchung der Personalberatung Kienbaum steht bei Berufseinsteigern der Wunsch nach flexiblen Arbeitsmodellen, die ihnen eine Karriere ermöglichen und gleichzeitig viel Raum für Familie und Freunde lassen, an erster Stelle. Hier kann das Berufsbild des Vermögensberaters sicher punkten.

Schwieriger wird es hingegen, von Anfang an ein entsprechendes Einkommen zu erzielen, denn da braucht es schon einen langen Atem oder einen älteren Berater, der Berufseinsteiger unter seine Fittiche nimmt und mit ­ihnen eine Nachfolgeregelung trifft. Große Sprünge darf sich der Berufsstand davon allerdings auch nicht erhoffen.

Schritt in die Selbstständigkeit
Inter­essanter ist da schon ein Blick auf die heimischen Bankberater. Viele Wertpapierberater und Private Banker sind mit der Umsetzung von Mifid II innerhalb der Banken ­unzufrieden, etliche Institute haben die Produktauswahl bekanntlich massiv eingeschränkt. Dies könnte zu Abflüssen von Kundengeldern führen, was wiederum die Jobs der Berater gefährdet. Zusätzlich dürften die heimischen Banken in den nächsten Jahren ihren Personalstand noch deutlich reduzieren. Laut Nationalbank waren Ende des Vorjahres rund 73.700 Personen bei heimischen Banken beschäftigt. In den letzten zwei Jahren sind nur 1.300 Bankarbeitsplätze im Inland weggefallen.

Seit Ausbruch der Finanzkrise (2007) bis Ende 2016 wurden demnach nur sechs Prozent der Jobs gestrichen, weniger als halb so viel wie im EU-Schnitt. Man kann also davon ausgehen, dass sich in Zukunft etliche Bankberater neu orientieren müssen – ein Schritt in die Selbstständigkeit wäre da durchaus eine Möglichkeit.