Irland, die Niederlande, Apple und Nike: Vier Vorreiter in punkto Nachhaltigkeit. Irland und die Niederlande haben im Ranking eines großen Fondsanbieters einen Platz unter den Top-Ten der nachhaltigsten Staaten sicher. Apple zählt laut einer im Januar veröffentlichten Untersuchung zu den "Global 100 Most Sustainable Corporations in the World". Und Nike darf sich einer anderen Studie zufolge als nachhaltigster Sportartikelhersteller der Welt bezeichnen, mit 280 von 300 möglichen Punkten. Was soll man sagen? Herzlichen Glückwunsch!

Herzlichen Glückwunsch? Dürfen Unternehmen, die alles daran setzen, ihre Steuerlast zu drücken, als nachhaltig bezeichnet werden? Und sind Länder, die solchen multinationalen Konzernen bei ihrer Flucht vor dem Fiskus helfen, wirklich Vorbilder?

Mit abstoßender Aggressivität am Fiskus vorbei
Die sogenannten "Paradise Papers", die die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) und andere Medien in diesen Wochen aufarbeiten, zeigen in bislang unbekannter Detailtiefe, wie internationale Konzerne mit abstoßender Aggressivität versuchen, ihre Steuerlast zu drücken. Das ist leider legal, aber zutiefst unmoralisch.

Zwei Beispiele: Nike ist es gelungen, die effektive Steuerrate, die vor zehn Jahren noch bei über 30 Prozent lag, auf zuletzt 13,2 Prozent zu senken – vor allem dank verschachtelter Firmenkonstruktionen, die das niederländische Gesetz erlaubt. Apple erwirtschaftete der SZ zufolge von 2010 bis 2017 durchschnittlich zwei Drittel seiner milliardenhohen Profite jenseits der USA. Die Steuern, die der iPhone-Hersteller außerhalb der Vereinigten Staaten auf diese Gewinne zahlte, lagen aber nur zwischen einem und sieben Prozent. Das gelang unter anderem wegen eines Abkommens mit Irland, das die EU-Kommission im vergangenen Jahr als unzulässige Beihilfe eingestuft hat. Brüssel verdonnerte Irland dazu, 13 Milliarden Euro Steuern von Apple einzutreiben – doch das Land weigert sich.

Höhere Steuern drücken den Aktienkurs
Es ist einerseits verständlich, dass Unternehmen allzu hohe Zahlungen an den Fiskus vermeiden möchten. Doch andererseits profitieren Nike, Apple und all die anderen Konzerne von der Infrastruktur, der guten Ausbildung ihrer Mitarbeiter und der Sicherheit in ihren Absatzmärkten – die allesamt mit Steuern bezahlt werden. Der Mittelständler vor Ort hat keine Chance, sich um diese Abgaben zu drücken. Diese Option steht nur den "Multinationals" offen, deren Anwälte verschachtelte Firmenkonstrukte aufsetzen, um Steuerlücken auszunutzen.

Diesen Punkt sollten Anleger und Fondsanbieter, die damit kokettieren, nachhaltig zu investieren, eigentlich berücksichtigen. Doch es gibt einen einfachen Grund, warum diese Konsequenz so schwerfällt: Jeder Euro, den ein Unternehmen mehr an Steuern zahlt, geht eins zu eins vom Gewinn verloren. Und niedrigere Gewinne drücken die Dividende und den Aktienkurs.

Vielen Nachhaltigkeitsinvestoren geht es doch nur um eines – das Geld
Der Kampf gegen eine aggressive Steuervermeidung darf deshalb als echte Nagelprobe für Investoren gelten, die mit ihrem Geld etwas Gutes tun möchten. Es scheint kaum vorstellbar, dass sich ein Fondsmanager auf der nächsten Apple-Hauptversammlung hinstellt und fordert: "Lieber Tim Cook, wir möchten, dass Apple ab sofort mehr Steuern zahlt!" Doch wer es ernst meint mit dem nachhaltigen Investieren, sollte genau das tun. Andernfalls sollte er zugeben, dass es ihm eigentlich doch nicht darum geht, die Welt ein Stück besser zu machen. Sondern schlicht ums Geldverdienen.