Groß war die Aufregung im Vorfeld der DSGVO-Einführung mit 25. Mai dieses Jahres. Aus Angst vor drakonischen Strafen, die die österreichische Datenschutzbehörde (DSB) ab diesem Zeitpunkt theoretisch gegen schwarze Schafe verhängen konnte, versuchten viele Berater, noch auf den letzten Drücker zumindest einen Teil der notwendigen Maßnahmen umzusetzen. Etliche Marktteilnehmer gingen davon aus, dass die Behörde es in kürzester Zeit mit tausenden Beschwerden zu tun haben würde.

Gut drei Monate später zeigte sich wieder einmal, dass nichts so heiß gegessen wird wie gekocht. So offenbart ein Blick auf die Daten der DSB, dass insgesamt 721 Beschwerden seit dem 25. Mai (Stand 11. September) bei der Behörde eingelangt sind. Das sind zwar deutlich mehr als im Gesamtjahr 2017 (489), vom erwarteten Horrorszenario ist man damit jedoch weit entfernt.

Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass viele Beschwerden schon an formalen Vorgaben scheitern, auf eine zweizeilige E-Mail-Nachricht reagiert die Behörde nämlich nicht. Meldungen zur Verletzung personenbezogener Daten gab es übrigens 252, und die Zahl der laufenden Verwaltungsstrafverfahren liegt zum Stichtag bei 115. Große Strafen und Sanktionen sind, so bestätigte die Behörde kürzlich, bisher ausgeblieben. Hartnäckige Gerüchte, wonach Vermittler bereits geprüft würden, sind nach eingehender Recherche auch ins Reich der Märchen zu verbannen.

Zurücklehnen sollten sich jene, die die Verordnung bis dato noch nicht zu 100 Prozent umgesetzt haben, aufgrund dieser beruhigenden Nachrichten allerdings nicht. Zum einen hat die DSB bereits bei Versicherungsgesellschaften Prüfungen durchgeführt, und zum anderen hat die derzeit noch überlastete Behörde bereits sechs zusätzliche Arbeitsplätze bewilligt bekommen. Berater sollten also davon ausgehen, dass die Ressourcen der Datenschutzkontrolleure in den kommenden Jahren eher ausgebaut werden.

Und damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit für einen Besuch. Wie massiv Behörden binnen wenigen Jahren wachsen können, zeigt übrigens ein Blick auf die Entwicklung der Finanzmarktaufsicht: Deren Mitarbeiterzahl stieg im Gleichschritt mit dem Ausbau der Regulierung der Finanzbranche zwischen 2002 und 2017 von 102 auf 415 Personen.